Remember (September)

Wundertüte. So darf man die September-Lesebühne wohl nennen. Nicht nur, dass mal wieder das Kontingent von acht Lesenden und noch mehr (!) Texten voll ausgeschöpft wurde, es gab sogar zwei musikalische Darbietungen obendrauf, ganz überraschend. Aber eins nach dem anderen:

Wo der Moderator (diesmal wieder Frank) sonst zu Anfang den Themenbeauftragten ansagt, sagte er diesmal Ute Danielzik an, die uns das „So noch nie-Lied“ darbot, das sie uns zur 99. Lesebühne komponiert hatte. Sie moderiert nämlich auch die Offene Bühne im Zimmer 16, und für die wollte sie ein Wenig die Werbetrommel rühren, was wir gerne hier wiederholen (offen für alles, was man auf einer Bühne darbieten kann – hingehen!).

Klaus J. Lais, der Themenbeauftragte dieses Monats, hatte im Juli „mondsüchtig“ vom Publikum aufbekommen. Nun eröffnete er nach guter Tradition den Leseabend, warnte aber schon vorher, dass ihm so richtig nichts zum Thema eingefallen war. Stattdessen hatte er aber immerhin eine Geschichte dabei, in der es Nacht war und der Mond vorkam, und, wie sich dann herausstellte, auch verschiedene Drogen. Na bitte. Zwei (sehr) junge Männer rocken, kiffen und saufen sich (vermutlich irgendwann in den Achtzigern) durch eine Jango-Edwards-Show und haben danach Mühe, ihre Fahrräder wiederzufinden. Der eine, der vom Ich-Erzähler nur „der Metzger“ genannt wird, greift sich eins, dass gar nicht seins ist, muss es zurückgeben und findet dann doch seins, doch beide werden ihre Räder los, weil „die Grünen“ – das waren damals noch die Bullen – sie ihnen abnehmen, worauf sie sich in einem Wienerwald ein Grillhendl reinziehen – so gut es noch eben geht. Ich hoffe, die Handlung im Groben wiedergegeben zu haben. Klaus hängte flugs einen zweiten Text an, ebenfalls eine Art Erinnerungstext, eine Anekdote, über einen brav aussehenden Schuljungen, der einer unfreiwilligen Hobby-Pantomimin eine echte Bananenschale in den Spießer-Vorgarten pantomimisiert. Diskutieren mochte aber keiner darüber.

Frank Georg Schlosser trug ein weiteres Kapitel aus seinem entstehenden Roman vor. Darin kam nicht der Protagonist, sondern drei Nebenfiguren vor, die an einem einsamen See ein einigermaßen übernatürliches Geschehen in Gang setzen bzw. erleiden. Dieser Text erinnerte gleichermaßen an die Bundestagswahl, an Stephen King und an die Geister vom Mummelsee (der tatsächlich gespenstisch sein kann). Eine zwar unangenehme, aber nicht unmögliche berufliche Begegnung des Polit-Bloggers Norbert mit einem skrupellosen, rechtslastigen Politiker wandelt sich da erst zu einer definitiv unmöglichen und dann zu einer finalen. Da Franks Text noch im Entstehen ist, kamen neben Lob und Fragen auch Vorschläge auf den Tisch, die er als Anregungen mitnehmen konnte.

Sein SNN-Debüt gab Jörg Sader mit zwei Texten, die beide in der DDR angesiedelt waren. Der erste beschrieb am Beispiel des Schwimmbadbesuchs einer Provinzjugendclique am 13. August 1961, wie sich das Klima im Land mit dem Mauerbau schlagartig verändert. Die unbekannten, bekleideten Schwimmbadgäste auf einer Sitzbank in der Nähe werden auf einmal zu einer bedrohlichen Kraft, der man nun kaum noch ausweichen kann, wo es heißt, da sei eine Mauer gebaut worden im fernen Berlin.

Der zweite Text erzählte von den wortwörtlich hochfliegenden Phantasien eines Mannes aus der DDR im Angesicht des Brandenburger Tores und der nun schon existenten Mauer. Er stellt sich vor, wie ein Stabhochspringer darüber hinweg zu schnellen in Richtung der Siegessäule, die über die Mauer hinweg noch gerade so zu sehen ist, erinnert sich, wie es war, bevor dort eine Mauer alles blockierte, sieht sich „am Ende der Welt“. Das Publikum zeigte sich berührt vom Vortrag und dem sprachlichen und erzählerischen Gehalt dieser beiden Texte. Wir wollen hoffen, dass wir ihm bald wieder im Zimmer 16 zuhören dürfen.

Wolfgang Weber zog die Versammelten mit „Du bist verrückt mein Kind“ in einen Strudel aus Erinnerungen, Reflexionen und recherchierten Tatsachen, die sich genau darum drehten: verrückt sein/werden, psychisch aus der Bahn geraten und was das Schreiben damit zu tun haben bzw. wie es da wieder raus führen kann. Ein Meta-Text. Gespaltene, mehrfache, gar keine Persönlichkeiten, Doppelgänger, Kopien und Variationen von Menschen und Liedern. Gemerkt: If I don’t go crazy, I’ll surely lose my mind.“ Gesehen/gehört: ein Wanderstock mit typischen Abzeichen (jemand sagte, es sei ein Spazierstock). Pause.

Ute gab einen „Schlager“ übers Spargel-Stechen eines Mannes und einer Frau zu besten, um uns nach der Pause wieder auf Temperatur zu bringen, aber wenn das ein Schlager war, was sie da gedichtet und gesungen hat, dann ist ein „Massagestab“ aus einem alten Otto-Katalog wirklich nur ein Massagestab! Danke, Ute!

Frank vollzog nun den allmonatlichen Ritus des Themenbeauftragten. Er besteht darin, eine/n Freiwillige/n zu finden und diese/n sodann ein Thema aus den Publikumsvorschlägen losen zu lassen, zu dem er etwas schreiben muss – also eine Art kultischer Opferung. Beides gelang! Dimitri Rameau wird für die Lesebühne im November etwas zum Thema „ausgesetzt“ schreiben. Kommet und lauschet!

Eine alte Frau nimmt Abschied – so könnte man den Inhalt von Matthias Risches Geschichte beschreiben und damit womöglich auf eine ganz falsche Fährte führen (was ihm bestimmt nicht ganz unrecht ist), denn was auf einen Alters-Suizid in der Badewanne hinauszulaufen scheint, entpuppt sich sehr wirkungsvoll als Beendigung einer Lebensphase, nicht des Lebens, als erneute Hochzeit mit und Abschied vom längst verstorbenen Gatten, als, ja, Neustart dieser alten Dame. Auch hier ein Ritus, dieser mit Asche und Wasser und Hochzeitskleid. „Beeindruckend“ sagte jemand.

Dimitri Rameau erschien zum zweiten Mal auf der SNN-Bühne, und obwohl hier eigentlich nie über „Äußerlichkeiten“ geschrieben wird – hier muss ich eine Ausnahme machen, denn Dimitri setzt seine Erscheinung und seine Körpersprache ganz bewusst für seine Texte ein, ist manchmal geradezu Darsteller seiner Gedichte. Das Foto mag davon einen Eindruck geben. Nur so lässt sich wohl auch erklären, dass ein Gedicht, das er vollständig auf Dänisch geschrieben und vorgetragen hat, als „schön“ aufgenommen wurde, obwohl niemand jenseits des Tisches Dänisch sprach. Gedichte bestehen eben aus mehr als nur Worten, die einen „Sinn“ haben. Seine auf Deutsch und in freierer Form als das dänische Poem geschriebenen Gedichte hießen Himmelsbestattung, Sommerweise (ein „Hassgedicht“) und Trübbirne und ließen kaum weniger Spielraum zum Interpretieren und Assoziieren als das dänische. Wir dürfen auf seine Themenbeauftragten-Texte im November gespannt sein!

Das zweite SNN-Debüt an diesem Abend: Gabriele Lederle. Sie hatte sich vom Thema „mondsüchtig“ inspirieren lassen und einige Gedichte mitgebracht, die in die Tiefen der Identität/ssuche, des Traums und der Sucht führten. Da kam auch die SehnSUCHT ins Spiel, die nach dem Paradies. Da war das Individuum im Herbst am Meer, war geborgen und doch gefährdet. Die Natur (und das vertraute Beieinander) waren Schutz und Bedrohung zugleich: „In der Einheit vergehen wir“, hieß es in ihrem letzten Gedicht. Auch Gabriele soll uns bitte wieder beehren, damit wir mehr von ihrer tiefgründigen Lyrik kennenlernen dürfen.

Das Lese-Los bestimmte Rowena Schöning auf Startplatz Nummer acht, den Abschluss des Abends. Was gar nicht so unpassend war, denn sie reflektierte in sensiblem und sprachgewandtem Deusch aus der Perspektive einer non-native-speaker (sie stammt, sagte sie, aus Sri Lanka) über die Schönheiten und Vorzüge der deutschen Sprache. Eine „Schöpfungsgeschichte“, in der ein Sprachschöpfer aus der Ursuppe schöpft und die Eigenheiten des Deutschen sichtbar macht, nicht Skurrilitäten – die es zur Genüge gibt – weil er sie genau so haben will. Da die Suppe aber allzu überbordend zu geraten droht, gesellt sich dem Schöpfer ein Assistent hinzu, der die Grammatik dazugibt, welche das Ganze im Zaum hält. Wir Deutschsprachigen, die wir als so rational gelten, staunten nicht schlecht darüber, dass jemand aus Asien unsere Sprache für so bildhaft und assoziationsreich ansieht („ent-falten“, „gleich-gültig“, „ent-decken“). Danke dafür!

Damit war die September-Lesebühne zu Ende. Wir sehen uns hoffentlich alle wieder am 23. Oktober zur Lesebühne Nummer 115!

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Das Prachtstück – Text von CORDULA, Themenbeauftragte im Juni

Meeeeeeensch, Püppchen … das kann doch nicht so schwer sein!!!“
Udo schnauzt schon wieder rum.
Ich wende mich ihm angewidert zu … naja, so angewidert auch wieder nicht, mein vorheriger Anblick war nicht wirklich viel besser.
Was ist denn nur dein Problem, Püppchen??? Hm? Ich mein … du kniest dich hin, bewunderst sein Prachtstück, er fragt dich, ob du ihm so richtig einen bläst und dann kommt dieser Blick, von unten nach oben … Und du siehst ihn an, als hättest du ein Leben lang auf diese Frage gewartet und als hättest du dafür ein Leben lang blasen nur für diesen Moment geübt. Das will ich. Kein Tamtam. Ein Blick, der mehr sagt als ein Stöhnen. Kapiert? Kriegst hin???“
Ich nicke.
Und tue verlegen.
Ich wende mich dem … ähhmm … Prachtstück zu.
Hab ich schon schönere gesehen, aber ich diskutiere jetzt besser nicht.
Also: Los gehts. Und nicht vergessen … Prachtstück, Frage, AU-GEN-AUF-SCHLAG!!!!“
Ich gebe mein bestes. Wirklich. Ich schmachte das Prachtstück an, ich lausche gebannt seiner Frage und dann schau ich ihn an … mit allem was geht – als hätte ich mein Leben lang auf diese Frage gewartet …
ICH RASTE AUS!!! Er hat dir doch keinen Antrag gemacht. Du sollst ihm doch nur das Teil lutschen, Püppchen!!!“
Ich tue erneut ganz verlegen und blicke zu Boden.
Und während Udo sich in einen seiner Wutanfälle reinsteigert und mir den Blick zeigt, den ich seiner Meinung nach auflegen sollte, (gruselig … ehrlich … ganz, ganz gruselig) frage ich mich mal wieder, wie ich überhaupt in diese Situation geraten konnte.
Um nicht allzu gelangweilt zu wirken, schaue ich geradeaus, zwischen Prachtstücks Beinen hindurch und sehe Svetlana die sich für unsere nächste Szene zu 3. „breit“ macht … ääähhh… bereit macht!
Breit macht … hihi …!
Oh Mann …
Svetlana zwinkert mir rücklings durch Ihre weit gespreizten Beine zu und ich muss tatsächlich grinsen … Ganz, ganz blöder Fehler, denn das animiert Udo dazu, zu Höchstform aufzulaufen.
Das Prachtstück stöhnt entnervt und gibt sich keine weitere Mühe, auf der Höhe zu bleiben, was dazu führt, dass ich Svetlana nicht mehr sehe.
Schade eigentlich.
Blödes Gehänge.
Ich versuche, ein ernstes und demütiges Gesicht zu machen. Gelingt mir wohl gut, denn Udo kommt zum Ende mit den Worten:
So, mein Püppchen, das machen wir jetzt noch genau 2x und wenn das nicht läuft, dann kriegst du eine schnöde Szene beim Gang Bang.“
Das sitzt.
Das Prachtstück, verstört ob des abrupten Endes, muss zusehen, dass er schnell wieder einsatzbereit ist.
Sein: „Nun hilf doch mal!“ ignoriere ich gekonnt und übe Augenaufschläge.
Nur so in mich rein.
Heimlich.
Muss richtig bescheuert aussehen, denn Udo fragt: „Alles okay? Panik?“
Ich schüttele den Kopf und mache mich bereit. Jaaaa … BEREIT! Hah …
Los gehts!
Nun ja … die Details lasse ich an dieser Stelle aus.
Ich höre, wie sich Udo mit der flachen Hand vor die Stirn schlägt und fassungslos in sich rein murmelt.
Svetlana, nun im Spagat, steckt mir die Zunge raus und grinst, was ich leider schon wieder nur noch zum Teil sehen kann.
Das Prachtstück lässt echt nach. Muss hart sein, wenn man sich die ganze Zeit auf was freut und dann dauert es ewig.
Hart sein … Hihi …
Ooohhh …
Jetzt aber. Letzte Chance. Da verstehen sich Udo und ich endlich mal, denn was ich denke, spricht er synchron.
Das Prachtstück, wieder echt motiviert bei der Sache, mir die Sicht auf Svetlana zurückzugeben, freut sich nun sichtlich. Denn für ihn heißt es jetzt auch hop oder top. Entweder jetzt oder in 10 Minuten mit einer, die es hoffentlich bringt.
Und dann gehts los …
Prachtstück
Frage
Augenaufschlag …
Yeah!!! Geht doch Püppchen! Du geiles, kleines Ding!“ höre ich Udo vor Freude brüllen und ebenso höre ich das Prachtstück erleichternd aufatmen.

Und dann ……….. beiße ich zu.

Schwimmen, Zug um Zug

Wenn ich jetzt schreibe, die Mai-Lesebühne diesen Montag war eine 100%ige SNN-Lesebühne, dann erkläre ich besser, was ich damit meine:

  1. Die Bude war voll. Vornehmer ausgedrückt: Im Zimmer 16 saß auf beinahe jedem der vorbereiteten Stühle jemand, um den Texten zu lauschen, zu diskutieren und evtl. auch um sich zu erheben und selbst am Lesetisch Platz zu nehmen.
  2. Es lasen acht AutorInnen, also das Maximum, das wir für einen Abend setzen.
  3. Die Texte deckten von Lyrik bis Prosa, von gereimt zu experimentell ein äußerst großes Spektrum ab.
  4. Wir bekamen erste Versuche und Durchgearbeitetes, bereits gedruckte und gerade aufgeschriebene Texte zu hören.
  5. Die Diskussionen gerieten interessiert und auch kontrovers, mal so, mal so.

Silke, unsere Mai-Themenbeauftragte, eröffnete in dieser Eigenschaft traditionsgemäß den Abend, den Frank moderierte. Sie saß zum ersten Mal am SNN-Lesetisch, und las, speziell zu ihrem Publikumsthema „Auf der Suche“, geschrieben, ihre allererste Kurzgeschichte, ohne Titel. Mutig – und mutig handelte auch ihre Protagonistin, obwohl sie eigentlich nur aus der Berliner Ring-S-Bahn ausstieg, Station Sonnenallee. Doch war sie bis dahin schon drei Mal im Kreis um die ganze Stadt herum gefahren, obwohl sie eigentlich schon längst auf Arbeit sein müsste, und ihr Aussteigen war kein einfaches Aussteigen, sondern ein (möglicherweise) grundsätzliches, aus ihrer alten Arbeit, ihrem alten Leben, und wohin ihr neuer Weg (möglicherweise) führt, blieb eine Andeutung.

Matthias dürfte SNN-Besuchern schon bekannt sein, doch die Themen seiner Geschichten überraschen immer wieder. Diesmal begleitete er den Jugendlichen Amir aus Algier bei einem Lebensumbruch. Der begeisterte Sportschwimmer nimmt die politischen Umstände seines Lebens hauptsächlich über seinen Trainer und Vater wahr, welcher weder mit seinem Schwimmen noch der politischen Situation zufrieden ist. Am Schwimmstil seines Sohnes arbeitet er mit strenger Konsequenz, an der unerträglichen politischen Situation kann er nichts ändern. Weshalb sich der Junge eines Nachts im Bauch eines Seelenverkäufers wiederfindet, auf hoher See auf dem Weg nach Europa, und getrennt von seiner Familie, die irgendwo auf dem Schiff sein muss. Auch Amir kommt plötzlich die Idee, auszusteigen, und auch bei ihm bleibt offen, wo sein Entschluss den geübten Schwimmer hinführt – ob an ein rettendes, fernes Ufer oder auf den Grund des Mittelmeers.

Brunhild wurde persönlich. Sie setzt sich in ihren meist gereimten Gedichten ausdrücklich und zumeist mit Stationen oder Situationen ihres Lebens auseinander. „Bestandsaufnahme“ machte eine Inventur ihrer Körpermaße und -teile, ihres Zustandes und ihrer Anzahl. Aus dem darauf folgenden Gedicht über ihr früheres Leben als „Bankerin“ blieb mir in Erinnerung: „Ein Gewissen wird zerschlissen“. Dies führte zum Zustand der (und zum Gedicht über) Krankheit/Krank-Zeit. „Ein Gedicht entsteht“ erklärte, wie sie an solchen immer wieder schwanger geht und sie am Ende irgendwann entbunden werden. Einer Nach-Bank-Zeit als Betreuerin einer dementen Person entsprang das nächste Gedicht und deren Aussage: „Ich bin in einer fremden Welt nur zu Gast“. Ein nächtlicher Schwimmausflug in einem See war das Thema in ihrem abschließenden Text – ohne Reim. Von diesem Ausflug ist sie nachweislich ans rettende Ufer zurückgekehrt!

Wolfgang blieb gleich am Ufer, d.h. am Strand: „Stranded In Strandville“ saugte uns in einen großen Popcornautomaten, in dem wir mit Alphaville und Emund Spencer, Shakespeare und Roxy Music als bunte Maiskörner in Gemälden von Mondrian und jemandem, dessen Namen ich leider nicht aufgeschrieben habe, aufpoppten zum Rhythmus des Boogie Woogie – dies als sein Beitrag zu einem Ausschreibungsthema: „gestrandet“. Collage, Assoziations- und kultureller Bezugsgenerator – das haben wohl alle seine Performances gemeinsam.

Nach der Pause hielt Frank die Schale mit den gesammelten Themenvorschlägen des Publikums hoch: TB-Wahl! Matthias ließ sich bitten – nein, er meldete sich, um am 24. Juli die Lesebühne als Themenbeauftragter zu eröffnen, und er zog „liebevoll“ aus der Schale, welches er umgehend ablehnte, nun musste er also nehmen: „Ohne Fahrschein“. Danke Matthias! Wir erwarten dich und deinen Text im Juli!

Katharina brachte uns wieder auf den S-Bahn-Ring zurück – Bahnhof Südkreuz, aber wahrscheinlich war eher doch die Fern- oder Regionalbahn gemeint, die vom selben Bahnhof fährt wie die S-Bahn. Die S-Bahn führt ja nicht durch einen Ort namens „Wüst“, in einem ihrer Texte mit den Schildern „Wüst Anfang“ und „Wüst Ende“ begrenzt, und wo ich schon so wüst schreibe, will ich gar nicht wieder ordnen, was Katharina vortrug, nur nennen: Diebe, die Zeit stehlen, Am Bahngleis ohne die Luft zum Schreiben, das Schreibtier („ich“), der Penner am Bahnhof Salzwedel, schläft, bekommt von ihr einen Kaffee ausgegeben, „Mein Mörder ist er nicht“, seinen angefangenen Kaffee trinkt sie aus. Das waren Phantasien, die nicht von Erlebnissen zu unterscheiden waren und umgekehrt, und ihre Sprache war klar und poetisch, ein Glitzern am Bahngleis.

Sigrid Maria: Debüt bei SNN. Das Reisen, Fahren, Rollen blieb Thema, bei ihr: Pendeln. Darüber hat sie sogar ein ganzes Buch mit Gedichten geschrieben und daraus vorgelesen. „Sie Pendeln. Sie Pendeln.“ blieb hängen. Einfach und eindrücklich, zwei Worte, wiederholt. Das ist Pendeln. Satirische Texte über ihre ehemalige Lehrerinnenexistenz, den Kampf der S- gegen die P-Schulen, der wirklich stattgefunden haben soll nach der Wende, im Osten, vielleicht auch im Westen, Ich-Botschaften, die auf ganzer Linie scheitern vor Ich-resistenten Klassen/Schülern, ein Lehreralptraum, – vorbei, sie ist Pensionärin.

Frank tischte (!) gleich einen kompletten Traum auf – ein Alptraum? Irgendwie schon, denn sein Traum konnte sich nicht wirklich gut angefühlt haben. Scheitern, wollen, aber gehindert werden, von einem Zug (schon wieder!) mitten in der REWE-Filiale Kulturbrauerei, die Kasse zu erreichen, und das eigene verschuldlose Versagen findet sich in nullkommanix gedruckt (!) in einer Zeitung, in den Einkaufswagen geschmissen von einer vorbei stürmenden Polizeieinheit! Ja, ein Traumprotokoll hat er mitgebracht, möglichst zusammenhängend aufgeschrieben, und vielleicht wird ja eine Geschichte daraus. Schreib weiter, Frank, bevor der Zug wieder abgefahren ist aus dem REWE.

Clemens erschien erst kurz vor Schluss und bekam ausnahmsweise noch den achten Platz auf der Leseliste. „Schnitt“ las er. Keine Strände, keine Züge. Schmerzen, die die Freundin ins Krankenhaus zwingen, im Bauch, und keiner findet was. Ungewissheit, starke Schmerzen, und keiner findet was. „Aufschneiden“ steht im Raum, gefunden muss werden, vielleicht nach dem Schnitt. Vielleicht. Dann sind sie weg, die Schmerzen, und keiner hat was gefunden. Ohne Schnitt ist sie nach zwei Tagen wieder zurück, unversehrt. Aber nicht unverändert.

See you bei der 111. Lesebühne am 26. Juni, Themenbeauftragte ist SNN-Debütantin Cordula mit dem Thema „Augenaufschlag“.

TB#50: Themen & Beauftragte des April, Teil7

Die Lesebühne im April wird keine Offene sein, denn zum – Achtung! – fünfzigsten Mal werden wir unser Alleinstellungsmerkmal auf die Bühne bringen: Themenbeauftragte. Zum besonderen Anlass hat unser Publikum im Februar statt einer/einem ganze SIEBEN davon mit je einem Thema für den 24. April beauftragt. Im Abstand einiger Tage stellen wir die sieben KünstlerInnen und ihre Themen vor.

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Ulrike Warmuth

Die fünfte im Kernteam von So noch nie verfasst meist keine Geschichten, wenn auch natürlich Texte, aber im Grunde malt sie eher mit fluoreszierenden Gefühlsfarben und intensivem Sprach-Schwarzlicht faszinierende Wortgemälde des Seelenlebens. Können Sie sich in etwa vorstellen, was Ulrike Warmuth zu „Fluch und Flucht“ schreibt? Nein, können Sie nicht.


Damit sind alle sieben Themenbeauftragte des Jubiläums-April vorgestellt. Weil Sie nun unvermeidlich neugierig geworden sind, halten Sie sich den Abend des 24. April frei für TB#50 und kommen Sie rechtzeitig ins Zimmer 16!

TB#50: Themen & Beauftragte des April, Teil6

Die Lesebühne im April wird keine Offene sein, denn zum – Achtung! – fünfzigsten Mal werden wir unser Alleinstellungsmerkmal auf die Bühne bringen: Themenbeauftragte. Zum besonderen Anlass hat unser Publikum im Februar statt einer/einem ganze SIEBEN davon mit je einem Thema für den 24. April beauftragt. Im Abstand einiger Tage stellen wir die sieben KünstlerInnen und ihre Themen vor.

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Michael Wäser

Kernautor Nummer vier jagt gern in unbekanntem Gelände, wovon seine Romane, Geschichten und Gedichte zeugen, die er meist im Zimmer 16 vorgestellt hat. Mit „Leerstelle“ darf sich Michael Wäser auf einer assoziationsreichen Fährte bewegen. Was er an der fraglichen Stelle fängt, schleppt er am Jubiläumsabend auf die Bühne. Halali!


In wenigen Tagen erfahren Sie hier, mit welchem Thema Ulrike Warmuth beauftragt wurde. Und: Halten Sie sich den Abend des 24. April frei für TB#506

TB#50: Themen & Beauftragte des April, Teil5

Die Lesebühne im April wird keine Offene sein, denn zum – Achtung! – fünfzigsten Mal werden wir unser Alleinstellungsmerkmal auf die Bühne bringen: Themenbeauftragte. Zum besonderen Anlass hat unser Publikum im Februar statt einer/einem ganze SIEBEN davon mit je einem Thema für den 24. April beauftragt. Im Abstand einiger Tage stellen wir die sieben KünstlerInnen und ihre Themen vor.

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Frank Georg Schlosser

„leerreich“. Ein Wortspiel ist sein Thema, beinahe ein Oxymoron. Der dritte SNN-Kernautor zeigt an vielen Lesebühnenabenden, was So noch nie auch ist: eine Werkstatt. Mit großem Vergnügen und Interesse nimmt das Publikum Teil an der Entstehung seines aktuellen Romans, Frank Georg Schlosser wiederum nimmt Anregungen auf. Das nennt man eine win-win-Situation.


In wenigen Tagen erfahren Sie hier, mit welchem Thema Michael Wäser beauftragt wurde. Und: Halten Sie sich den Abend des 24. April frei für TB#50!

TB#50: Themen & Beauftragte des April, Teil4

Die Lesebühne im April wird keine Offene sein, denn zum – Achtung! – fünfzigsten Mal werden wir unser Alleinstellungsmerkmal auf die Bühne bringen: Themenbeauftragte. Zum besonderen Anlass hat unser Publikum im Februar statt einer/einem ganze SIEBEN davon mit je einem Thema für den 24. April beauftragt. Im Abstand einiger Tage stellen wir die sieben KünstlerInnen und ihre Themen vor.

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Max Ludwig

Der jüngste Beauftragte dieser Siebener-Reihe ist ebenfalls Gast im Ensemble, aber auch einer, der schon mehrfach bei So noch nie gelesen und sich mit seinen bildhaften und klaren Texten der Diskussion gestellt hat. Diskussionen wird es diesmal nicht geben, dazu ist sein Thema „Ich habe dich im Bus gesehen“ ja auch viel zu eindeutig!


In wenigen Tagen erfahren Sie hier, mit welchem Thema Frank Georg Schlosser beauftragt wurde. Und: Halten Sie sich den Abend des 24. April frei für TB#50!