Kopfüber nach Vollbremsung

Der Norbert, der uns durch den Abend führte, gönnte sich zwei Filter, einmal einen Hausfrauenfilter, in dem er sich eine virtuelle Schleife ins Haar „band“, rot mit weißen Tupfen, die ich Unwissender zunächst für echt angesehen habe. Hätte es besser wissen können, denn schließlich saß er auch im westlichen Galerieflügel von Ohnesorgen.

Norbert drang diesmal tiefer in Zooms Möglichkeiten ein. Er teilte seinen Bildschirm und wir sahen und hörten den Vorspann zu „Einer wird gewinnen“ (EWG – eindeutiger Hinweis auf den deep state – Gehirnwäsche, Chemtrails und so weiter) mit Hans-Joachim Kulenkampff. Am Montag vor 57 Jahren wurde nämlich die erste Sendung ausgestrahlt.

Wem Kulenkampff unsympathisch sein sollte, dem bot Norbert auch den 253. Geburtstag von Justus Erich Walbaum an, dem Erfinder der gleichnamigen

Schriftart. Norbert meinte, man könne die sich für 60 € kaufen. Aber mein Word bietet sie als „Walbaum Display“ an. Keine Ahnung, ob das nun die Original-Walbaum-Schrift ist. Und spannend wird ja noch, ob ich sie so ins Internet kriege, ohne das „jemand“ daran herumpfuscht, was natürlich der Fall ist, wie ich gerade sehe, als ich den Text hier eingefügt habe, da ist alles glattgebügelt.

So. Die 153. Lesebühne SoNochNie! hatte damit ihre Onlinepforten geöffnet. Und es begann der Themenbeauftragte, der das Thema „Gute Mutter“ zu bearbeiten hatte. Ich, Frank Georg Schlosser, hatte eine Geschichte geschrieben, die auf einer Beerdigung begann, und in der Frage auslief, welche von drei Müttern aus drei Generationen man als gut bezeichnen könne. Einfach hatten sie es alle nicht.

Wer möchte, kann die Geschichte hier nachlesen.

Als zweite Lesende kam Gudrun zu Wort. Ihre Geschichte hieß „Zorn“, der bei der Protagonistin, als sie eine alte Beziehung nach ein paar Jahren Funkstille auf einer Party wiedertraf, hochkochte. Das lag daran, dass der Mann nach anfänglichen Schwierigkeiten miteinander warm zu werden, sein Herz doch auf die Zunge schob. Er verspürte ein großes Glück sie zu sehen, aber sie stellte am Ende fest: Wenn du dich fallen lassen willst, dann fall, aber bitte nicht auf mich.

Nach der Pause wurde Micha als Themenbeauftragter für den Monat März erkoren. Er wählte das Thema „Kinderseele“ … nicht,

musste dann das zweite Thema „Wer’s glaubt“ nehmen.

Last but not least las Petra am Ende dieser kurzen Lesebühne eine Geschichte mit dem Titel „Loop“ von einer Frau, die mit einer Achterbahn fuhr, die unerwarteterweise auf dem Scheitelpunkt eines Loops stehenblieb, obwohl sie mit 160 Sachen in diesen Loop hineingefahren war. Das muss eine harte Bremsung gewesen sein. Die Protagonistin wollte sich nicht damit abfinden, da oben kopfüber in den Sicherungsbügeln zu hängen und kämpfte sich unter Einsatz ihres Lebens frei.

Jetzt, da ich diese voll kurze Zusammenfassung schreibe, fällt mir erst auf, wie metaphorisch diese Geschichte ist. Kann es sein, dass wir gerade alle da oben hängen, und uns das Blut zu Kopf steigt. Und wer wäre diese eine Frau, die da aussteigt (ohne Hilfe für den Rest zu holen)? Eine Querdenkerin? Oder die einzige Geradeausdenkerin? Sie hatte ja nichts Böses im Sinn. Sie ging durch die eigenartig finstere und menschenleere Stadt nach Hause und legte sich zu Bett.

Und das war sie, die sehr kurze 153. Lesebühne. Nächstes Mal mit hoffentlich wieder stärkerer Beteiligung. Werde mal ein bisschen Werbung machen. Und was ich schon mal gut fand: sie war nicht so elegisch wie die Dezemberlesebühne. Vielleicht sollten wir uns alle verpflichten, was Lustiges zu schreiben, denn Lachen heilt angeblich.

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