Eine gute Mutter glaubt … ihrem Kind

Ein Vorteil der Lesebühne ist, dass Leo uns immer wieder die

erstaunlichsten Jubiläen

verkündet, diesmal war es der 23. November 1772, als Johann Christoph Winters in Bonn geboren wurde, irjendwat mit Puppentheater in Kölle, wen es interessiert, der googele bitte selbst und ständig.

Der

Themenbeauftragte Klaus Kleinmann

blieb sich treu. Bereits im März, als er Themenbeauftragter war, blieb er fern, so auch diesmal. Allerdings holte er den Auftritt vom März im September nach. So hoffen wir also, seinen Text zum Thema „Schlau“ im Mai 2021 hören zu dürfen.

Stattdessen begann

Matthias Rische

mit einem Text, der „Tabu“ hieß. Ein junger Mann, sehr jung, wird erst mit der Einschulung der Mutterbrust entwöhnt, was er trotzdem oder gerade deshalb als ein Verstoßen empfand. Der Schmerz über die Zurückweisung saß so tief, dass er beschloss herauszufinden, wie sich Frauen beherrschen ließen, damit ihm so etwas nicht noch einmal passierte. Er wollte den Spieß umdrehen, soweit man eine Mutterbrust mit einem Spieß vergleichen kann. 😉 Ihn beschäftigte die Mia mit den blaugelben Haaren. Eines Tages fuhr er sie mit seinem Bollerwagen in den Wald. Dort stieß er sie ins Gras, fing sie am Rücken auf und fasste ihr gleichzeitig an die Brust. Die Enttäuschung über das, was er da vorne zu fassen kriegte, war so groß, dass Mias Blick in den Himmel ihr letzter blieb.

Der Text weckte einige Diskussionen, u.a. warum er enttäuscht von Mias Brust war, wo er sie doch lange kannte. Aber er war dreizehn, sie zehn. Und er war sich wohl nicht bewusst, dass er sie der Brust wegen mit seinem Bollerwagen in den Wald fuhr.

Danach durfte ich lesen,

Frank Georg Schlosser,

eine ironisch-sarkastische Betrachtung zur aktuellen Lage unter dem Titel Also ich finde die Maßnahmen toll. Der Text beklagt gewisse Inkonsequenzen und rief durchaus lebhafte Diskussionen hervor, u.a. dazu, dass es vielleicht gar keine schlechte Idee wäre, die Fürstentümer von vor dem Dreißigjährigen Krieg wiederzubeleben, Zollschranken wieder zu errichten, um die Durchseuchung zu verlangsamen. Besonders Johann, aus Dänemark zugeschaltet, fand, dass der Text gerade mit dem Satz, dass das Virus etwas schaffe, was Generationen von Klassenkämpfern nicht vermocht hätten, genau ausdrücke, was er meine. Wir haben die Chance, anders zu werden. Micha sah die Unterschiedlichkeit der Kulturen im Umgang mit dem Virus. Norbert meinte, dass spätestens, wenn wir uns impfen lassen, alles wird wie vorher. Aber – und das sagt mein Text auch: das nächste Virus kommt bestimmt.

Anschließend las

Katharina Körting,

zum Thema: jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist ein guter Kontakt. Weihnachten, ein Fest, das durch Berührung heilt, denn hat nicht der Heiland eben durch Berührung geheilt, möglichst ohne Berührung. Lockdown bis Weihnachten, um Weihnachten zu retten. Am schönsten fand ich das Bonmot: der zukünftige Nichtkanzler Friedrich Merz – habe vergessen, was er vorgeschlagen hat. Als nächste Notiz steht da: man müsste Weihnachten verbieten, aber das kann keiner gesagt haben, der Nichtkanzler werden will.

Wie sieht ein Kontakt aus, der nicht stattfindet? Fragen über Fragen. Aber mehr als Nichts kann ja nicht schiefgehen. Den Satz finde ich bedenklich, weil ja immerzu Sachen schiefgehen, und das wäre dann ja mehr als Nichts.

Es wurde in der Diskussion darauf hingewiesen, dass der Satz „Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist ein guter Kontakt“, unlogisch ist. Kann die Kanzlerin also nicht gesagt haben. Und außerdem brach plötzlich (wegen der Erzählung über einen Jugendlichen, der sich irgendwo aufgehalten hat, wo mehr als zehn Menschen beisammen standen, seiner Mutter aber versicherte, alle hätten auf Abstand geachtet) eine Diskussion los, wie Mütter da zu reagieren hätten:

  1. Eine gute Mutter glaubt ihrem Kind.
  2. Eine gute Mutter gibt ihrem Kind das Gefühl ihm zu glauben.
  3. Eine gute Mutter nötigt ihr Kind nicht zu lügen.

In der letzten These kann man sich für zwei Kommasetzungen entscheiden, was im Grunde eine vierte These produziert.

Die Diskussion hatte für mich starke Auswirkungen, aber dazu später.

Als Letzter (last but not least) las  

Michael Wäser

aus seinem Projekt, in dem wiederum eine Mutter an ihre zwei Kinder über die Entwicklung der Menschheit schreibt. Der Brief ist in der Zukunft geschrieben, beschreibt aber meist Zeiten, die schon eine Weile zurückliegen. „Der Bauernsohn und der Teufel“ nannte er seinen Ausschnitt. Es ging um einen Herrn Mandel, seines Zeichens Mönch und Lehrer und Wetterbeobachter. Und ihm verdanken wir die erste detaillierte Beschreibung einer Windhose. Ein Baum raste auf ihn zu. Herr Mandel versuchte, nicht zu sterben. Ihm verdanken wir die genaueste Beschreibung des Wetterphänomens, die es bis dahin gab. 150 km/h, rechnete er anhand von Zeit und Entfernung aus, bewegte sich die Windhose über das Land, dreimal schneller als die Eisenbahn. Die Blitze verglich er mit Rauchsäulen, wie sie aus den neuen Fabriken steigen … und so hatte der Teufel doch noch seinen leibhaftigen Platz erhalten.

Vorbild für diesen Mandel war wohl Gregor Mendel (1822 – 1884).

In der Diskussion kam noch ein schickes Bonmot auf, weil Gudrun sich als alte Frau bezeichnete (was sie niemals ist) und ich sagte, da gäbe es also nicht nur alte weiße Männer, sondern auch ebensolche Frauen, was Norbert zu dem Einwand nötigte, dass es bei den Frauen weise heiße.

Der Gott des Satzbaus wird mich mit schlimmen Albträumen bestrafen.

Nachzureichen wäre noch, dass für den Januar ein Themenbeauftragter gewählt wurde, nämlich ich konnte alle electoral votes auf mich vereinigen, simply per Akklamation, wäre vielleicht auch was für Trump gewesen, und dass ich als Thema „gute Mutter“ bekommen habe. War nicht ganz nach den Regeln, aber Norbert hatte so oft gesagt, dass er ein Lieblingsthema habe, dass ich nicht anders konnte, als es aus ihm herauszukitzeln. Und ich bin glücklich mit diesem Thema. Werde sofort nochmal Hans-Joachim Maaz’s „Lilith-Komplex – die dunklen Seiten der Mütterlichkeit“ studieren. Es gibt von allem eine dunkle Seite, hauptsächlich natürlich die dunkle Seite der Macht, aber auch zu empfehlen von Stephen Wolinski: „Die dunkle Seite des inneren Kindes“, was mich sofort an Chucky, die Mörderpuppe, denken lässt. In diesem Sinne – sweet dreams.

Und bis zum 28. Dezember, dann wahrscheinlich wieder im virtuellen Raume. Wer immer bis hierher gelesen hat, nicht vergessen, dem Zimmer 16 zu spenden, Bankverbindung gibt’s auf unserer Website www.sonochnie.wordpress.com Auf Nachfrage stellt das Zimmer 16 wohl auch Spendenbescheinigungen aus. Und auch das befriedigt ja eine dunkle Seite in uns, nämlich das Bedürfnis Steuern zu sparen.

Euer

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