Spätsommersehnsucht

 

Ein Virus streckt den Berichterstatter nieder, bevor er erstatten kann, jetzt aber wenigstens in Kürze: der Bericht (Fotos diesmal von zwei Knipsern auf demselben Instrument: Frank machte die meisten davon, weil ich notierte).

Spätsommersehnsucht hieß das Zuschauerthema (und sein Text) für unseren September-Themenbeauftragten Frank Georg Schlosser. Er ließ zwei Personen in einem Restaurant Platz nehmen, einen Mann und eine Frau, ein Date? nein, ein Treffen zweier gegnerischer Anwälte. Eine Zivilrechtssache, Belästigung, Stalking, eigentlich, so scheint es, juristisch eindeutig, der Stalker soll sich an das Urteil halten, tut es aber nicht und hat – hat die nicht jeder Stalker? – Gründe dafür. Eine Aussöhnung wäre doch schön, zwei, die sich nahestanden, keine Fremden. Verbunden durch eine dunkle Familiengeschichte, ein Vater, eine Tochter. „Alle Geschichten sind wahr, wenigstens für den, der sie erzählt“, sagt der Anwalt des Stalkers. Damit eine Einigung zu erzielen, dürfte aber für ihn und seinen Mandanten eine Sehnsucht bleiben.

David führte uns ganz dicht dran an einen Securitytypen vom Flugplatz, wo er am Laufband steht und kontrolliert. Eintönige Tätigkeit, lebhafte Gedankenwelt. „Keys, case, coins …“ ist sein Mantra und der Titel des Textes. Sein Leben hat ihn nicht auf geradem Weg an diesen Platz geführt, er hatte Größeres im Sinn, früher einmal. Nun ist er mit sich, seinem Dasein und seiner Ehe an einer Art toten Punkt angelangt, seine Fantasie, die einmal Gedichte hervorbrachte, lässt ihn nun imaginieren, wie seine eigene Frau durch seine Kontrolle geht und sich für den Plunder, den sie einfach auf dem Band liegenlässt, gar nicht mehr interessiert.

Wolfgang Weber fasste sich kurz: 2 Gedichte brachte er mit. 13. Herbst benutzte das Verlautbarungssprech aus 13 Jahren BER-Farce und endete ironisch mit „Das lässt hoffen“. „Häuser im Schatten“ aus seinem Band „Haus und Straße“, ein Haiku-ähnliches Gedicht: keiner sieht sie – sie sind da.

Wolfgang Weber hob auch mutig den Arm, als Leovinus eine/n Themenbeauftragte/n für November suchte. Sein geloster Publikumsvorschlag: Vorhang.

Arved Wolff stellte drei Gedichte vor: „Herbstgedicht“ – Regen bleib hier wo willst du denn hin? – „Motorischer Irrtum“ – So breite Schultern sind irgendwie lächerlich – „An meinen Vater“ –  … lege dir eine Wildblume aufs Grab. Was im Wort „Gedicht“ steckt, kann man bei Arved live erfahren: Verdichtung. Melancholie und/als Trost, Wahrnehmung und/als Vorurteil, Erinnerung und/als liebevolles Heraufbeschwören.

„Der Bruch“ hieß die Geschichte von Matthias Rische, wo der Erzähler darüber nachdenkt, ob sein Leben anders verlaufen wäre, hätte man (insbesondere seine Mutter)  ihn nicht belogen, als sein Vater plötzlich und endgültig verschwand – und er die Lüge bald darauf entlarvte. „Von da an hatte ich keine Mutter mehr“, heißt es darin.

Es war eine konzentrierte Lesebühne mit engagierten Beiträgen und Diskussionen – vielen Dank allen Beteiligten! Wir sehen uns wieder am 28. Oktober um 19.30 Uhr im Zimmer 16, das Thema des Oktober-Themenbeauftragten Matthias Rische heißt: „Wohnungssuche“.

 

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