Fragen denken zum Regen an

Am Ostermontag fand die erste offene Lesebühne SoNochNie! statt, die schon um 19:30 Uhr anfing. Es wurde dann doch 19:45, bevor LeovinusDSCF1534 in bewährter Manier bekanntgab, dass es sich um den 149. …. Häh? … Geburtstag Lenins handelte. Wenn er Heidi Klum wäre, wüsste er auch den entsprechenden Plusquamperfekt, sagte er noch. Heidi Klum und Lenin in einer Anmoderation … entweder ist wirklich alles mit allem verbunden oder man kann alles mit allem verbinden … ich weiß es nicht. Es ging in der Folge auch darum, dass Norbert gerne ein Diktator wäre oder so ähnlich, man soll das Protokoll eben wirklich zeitnah schreiben.

Themenbeauftragter der 132. Lesebühne war Matthias RischeDSCF1457. Das Thema lautete „Sommerzeitumstellung“. Ging um die Vorbereitung eines Coups, der daran scheiterte, dass man sich nachts um zwei treffen wollte, um ihn durchzuführen und dann aber die Uhr eine Stunde vor statt zurück gestellt wurde. Schönste Sätze (die ich geschafft habe mitzuschreiben): „Schau im Internet nach, du Schwachmaat!“ „Ab welchem Alter bekommen Grizzlys graue Haare?“, „Kalle riecht, obwohl er nur um die Ecke eines Klärwerkes wohnt.“ Und „Soll ich die Spinnweben entfernen oder das Licht löschen?“.  Die Geschichte wurde freundlich aufgenommen, fiel jedoch beim Faktencheck durch. Aber Fragen denken zum Regen an, wie ein Zuhörer feststellte.

Danach zog Leovinus GabrielaDSCF1551 aus Hannover aus der Lostrommel, die eine Zeit ihres Lebens in Frankreich verbracht hatte und dort Erfahrungen mit dem Arbeitsamt (Agence nationale pour l’emploi) machen musste. Zwischen den häufigen Besuchen, bei denen die Protagonistin lernte, dass Arbeitsämter in Frankreich wegen der Terrorismusgefahr über keine öffentlichen Toiletten verfügen, wurde viel Kaffee getrunken und darüber gesprochen, dass Paris wie Berlin in einen armen Nordosten und einen reichen Südwesten geteilt ist. Ihr Arbeitsberater war nie da und sie wurde von Pierre mit Butterkeksen getröstet. Akten fehlten. Und der Ratschlag: such dir einen Mann, der dich finanziert, bevor du zu alt dafür wirst, fiel auf keinen fruchtbaren Boden, jedenfalls wurde der vielversprechende Ansatz nicht weiterverfolgt. Erst als Pierre dem Vertreter des Arbeitsberaters mit seiner Bekanntschaft mit dem Minister oder einem ehemaligen Minister drohte, bekam die Protagonistin ihr Geld.

Anschließend wurde der Bündnisfall aufgerufen und MichaelDSCF1606 las aus seinem derzeitig in Arbeit befindlichem Roman, der in seiner saarländischen Heimat oder ehemaligen Heimat spielt. Es ging um die Expertise von Kindern und Männern, was das Auffinden von Nutten betrifft, wie man darüber redete und in welchen Runden. Männer redeten unter sich, Frauen redeten unter sich und Kinder eben auch. Klub Rose haben die Etablissements geheißen.  Nutten haben wie die Arbeiter auch Schichtdienst gemacht, damit die früh vögeln konnten, bevor sie nach Hause gingen und ins Bett fielen. Und die Erkenntnis: im eigenen Dorf ist keiner hin zu den Nutten, deshalb waren so viele unterwegs. Die Sinnhaftigkeit von Oben-ohne-Bars wurde in Frage gestellt, denn wozu sollen die gut sein, wenn man nicht anfassen darf. Für mich entsteht ein irgendwie düsteres Bild einer kleinbürgerlich-verlogenen Welt, und da kommt nun AKK her.

Vor der Pause las noch DavidDSCF1634 aus Eberswalde, obwohl er schon lange in Berlin wohnt. Leovinus hatte so ein Ding zu laufen, die Lesenden nach ihrem Migrationshintergrund abzuklopfen ;-). Es ging um Kunst, um den Lauf durch eine Ausstellung, die wegen verschiedener Haufen mich jedenfalls an Joseph Beuys erinnerte. Und es ging um die Gedanken des durch die Ausstellung Laufenden an eine Bekannte, ehemals Vertraute, an die der Protagonist für Häuflein, die er gemacht hatte, Unterhalt zahlen musste. Das war ein Kritikpunkt in der Diskussion: Häuflein als Bild für Kinder. Je nach Tagesform kann man das schon mal machen, finde ich. Es ging um Weiß und Malerzubehör als Kunst, als eben Malerzubehör und als Bild für das mühsam übertünchte Dunkel unserer Geschichte. Ohne Titel. Selbstzensur statt Grenzüberschreitung. Am Ende stellte sich aber heraus, dass all die kruden Gedanken nur dazu gedacht wurden, um den Gedanken, dass er pleite war und gepfändet, auszuklammern.  In der Diskussion wurde festgestellt, dass der Protagonist sich zu lange auf Unis und in Galerien herumgetrieben haben muss.

Nach der Pause stand die Wahl des Themenbeauftragten für den Monat Juni an. Erneut musste der Bündnisfall ausgerufen werden. Michael Wäser wird Themenbeauftragter sein und er zog das Thema Zigarrete. Das klingt wie ein weiblicher Vorname. Man weiß nicht: ist es nur ein Rechtschreibefehler oder hat sich der Themenausdenker (oder die Themenausdenkerin – ich als alter Sack muss das immer extra denken) etwas dabei gedacht? Wir werden es vielleicht nie erfahren, aber wer am 24. Juni pünktlich halb acht abends im Zimmer sechzehn ist, wird zumindest Michas Geschichte dazu hören.

Danach durfte ichDSCF1761 einen neuen Versuch meines ersten Kapitels zu Gehör bringen. Man darf da die Geduld nicht verlieren. Volle acht Tage habe ich gebraucht, um das …erste Kapitel in Ordnung zu bringen. … Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Seite, beinahe die erste Zeile … Bei richtigem Aufbau muß in der ersten Seite der Keim des Ganzen stecken. Da zitiere ich Theodor Fontane aus seinem Briefwechsel zur Novelle Ellernklipp. Im Fontane-Jahr sei mir das gestattet. Es wurde viel diskutiert und ich habe mein altes Thema: was denkt eigentlich der Protagonist? erneut unter die Nase gerieben bekommen. Und: ich sollte es besser können als „ihm ist das Herz in die Hose gerutscht“. Das ist wahr. Man ist heute auch weiter in der Erkenntnis dessen, was eigentlich so einen Stimmungsabfall, so einen Angstanfall auslöst und ggf. in die Hose rutscht – das Herz ist es nicht direkt.

Nach mir las der RalfDSCF1772 (geboren in Nürnberg und aufgewachsen in Regensburg) eine neue Geschichte aus dem Grimmatorium. Wörter ebenfalls mit Migrationshintergrund unterstützen Wilhelm Grimm im Wahlkampf. Es ist eher eine Anreihung von Diskussionen mit Wortwitz als eine Geschichte. Die Partei AvD (Alternative vom Deutschen) spielte eine Rolle. Pommes wurden in Belgien erfunden, mit Brüssel habt ihr’s nicht. Die erste Erwähnung der Wurst gab es in Homers Odyssee und wenn ihr mal was richtig Deutsches essen wollt, nehmt einen Döner.

Zum Abschluss las der MarkusDSCF1810 aus Berlin. Da ging es um Startups, bei denen es einen Tischkicker statt eines dreizehnten Monatsgehaltes gibt und der Urlaub billig in Süd- und Osteuropa angetreten wird. Die Möglichkeiten des antizyklischen Einkaufens wurden erörtert und ob man nicht im dunklen Monat Februar die Geschenke für das ganze Jahr ordern sollte. Vom 28.1. bis 5.2. ist die günstigste Einkaufswoche und ein Inlandsflug ist mit amerikanischer IP-Adresse günstiger als mit einer deutschen.

Mit diesen wertvollen Shopping-Tipps ging die Lesebühne vom Ostermontag zu Ende. Die nächste findet am 27. Mai 2019 um 19.30 Uhr im Zimmer 16 statt. Bis dahin alles Gute Euer Frank

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