Tradition und Überraschung

Ich gebe zu, dass ich mich für die Niederlegung dieses Protokolls vor allem auf karge Notizen stützen muss, die ich mir im Laufe des Abends machte, bei dem trotz gut gefülltem Haus sich nur vier Lesende einfanden. Eventuelle Erinnerungslücken könnte ich leichtfertig mit dem Dezember-Thema begründen. Tue ich aber nicht.

Die erwähnten Lesenden aber – soviel sei verraten – enttäuschten das Publikum keineswegs.

Unser Themenbeauftragter Frank eröffnete das bunten Potpourri mit seiner Geschichte „Die Deutsche“ zum Thema „Warmduscher“. Jeff ist der Überzeugung, dass sein übergewichtiger Freund Bob eine Chance bei der deutschen Gastschülerin hat. Also beschließt er, dem Schicksal etwas nachzuhelfen, indem er ihr kurzerhand das Handy klaut. „Ein Schwarzer sieht für die eh aus wie der andere.“ Aber Bob will gar nicht als der Held da stehen, als den Jeff ihn verkaufen will. So endet die erste Geschichte des Abends zwar für die Protagonisten tragisch, für Frank jedoch glücklich, da seine Short Story, die ganz der amerikanischen Tradition folgte („nicht zuviel, dies aber präzise“), vom Publikum zu Recht sehr wohlwollend aufgenommen wurde.

Anschließend bezauberte uns Dimitri Rameau mit der pathetisch-melancholisch-fröhlichen Nachtschwärmerei einer einzelgängerischen Biene, einer einfachen Nektarsammlerin, die es in die große Stadt verschlagen hat. Das Publikum war nicht zum ersten Male angetan, sowohl von seinem Text als auch von seinen untermalenden tänzerisch anmutenden Bewegungen.

Nummer Drei war ein gern gesehener Stammgast nicht nur auf unserer Offenen Lesebühne. Wolfgang Webers Text jagte mit Hilfe von neun Kastanien auf den Spuren von Stanislaw Lems Ijon Tichy quer durchs Universum. Dabei nahm er Erich von Däniken und Uri Geller an die Hand, ließ sie wieder los, streifte den Knall vom Wedding ebenso wie die polnische Bloggerin und Romanautorin Dorota Masłowska. Wie immer irrwitzig, wie immer nur zum Teil verständlich, möglicherweise nicht jedermanns Geschmack. Ich aber stehe dazu: Wolfgang ist ein Unikat, das ich auf unserer Lesebühne nicht mehr missen möchte.

Nach der Pause stand traditionell die Wahl des Themenbeauftragten an. Da sich auf meine Frage, wer denn schreiben könne, nur eine einzige Person meldete, wurde eben diese, nämlich der freundliche Japluap zum Themenbeauftragten des Monats Dezember gekürt. Er zog – Zufälle gibt es – das Thema, das er selbst in die Lostrommel geworfen hatte: „Alzheimer“. Wir freuen uns also auf den 25.Dezember! Die weiteren Themen stelle ich am Ende dieses Artikels zur freien Verfügung.

Den Abschluss des Abends bildete Matthias mit dem überraschend lustigen Text „Mann ohne Frau“. Nachdem der Ich-Erzähler eine Frau namens Silke an der Edeka-Frischetheke kennengelernt hat, lädt er sie zu sich zum Essen ein, wo schief geht, was nur schief gehen kann. Spätestens als er feststellt, dass sich ein Brat-Hühnchen nur bedingt zur Verführung einer Vegetarierin eignet, ist auch dem letzten im Publikum klar: Das kann nur schief gehen. Eine gelungene Geschichte, bei der sich jeder fragte, warum Matthias nicht schon früher mit seiner heiteren Seite um die Ecke gekommen ist.

Vielleicht ja schon beim nächsten Mal, wenn am 27.November „So Noch Nie“, die einzige Offene Lesebühne mit einer eigenen Hymne, wieder ins Zimmer 16 lädt.

Und hier – wie versprochen – für alle Schreibblockade-Geplagten die übrig gebliebenen Themen in der Original-Schreibweise: Adventskerze, Bushaltestelle, Das rote Tuch, Du hast wohl Tinte getrunken!, Hasenscharte, Jameika, Kirschblütenzauber, Liebe & Leidenschaft, Mäander, Rührei mit Schafskäse, Schule, Schwarze Johannisbeeren, Sendepause, Supernova, Tecklenburg, Teezeremonie, Thermostat, Ulknudel

Es dankt für die freundliche Aufmerksamkeit der Moderator des Abends
Leovinus.

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