die 106. Lesebühne „ausgebrochen“

Die 106. Lesebühne SoNochNie! fand statt am Montag, d. 23. Januar 2017, den der Herr werden ließ wie all die Tage und Jahre davor und wir haben gesehen, dass es gut war. Die Bude war ziemlich voll. Gut besucht. Ich hoffe, wir haben unseren Beitrag geleistet zum Erhalt des Zimmers, auch die Spendenbox fand Erwähnung, in der es rascheln sollte und soweit ich sehen konnte, hat es geraschelt und wir haben das Bargeld an die Bar getragen. Nach meinem Kopf zu urteilen habe ich eine halbe Monatsmiete eingetrunken.

Aber wir haben auch gelesen, denn dies war der Zweck unseres Erscheinens und zunächst erschien uns der Moderator Leovinus, der gestern so richtig gut in Form war und stimmte uns ein und dann erschien uns der Themenbeauftragte, nämlich ich, und las knirsch eine Minute überzogen eine Geschichte zum Thema „Ausgebrochen“. Sie fasste das Leben eines Getriebenen zusammen, der stufenweise seine Existenzgrundlagen fahren ließ, um in die Tiefen seiner selbst zu gelangen. Am Ende steht er ohne Geld und ohne Obdach da. Selbst der Ich-Erzähler wendet sich von ihm ab. Und erstaunlicherweise und auch zu meinem Pläsier kam jemandem aus dem Publikum der Gedanke, dass damit der Ich-Erzähler auch ausgebrochen ist.

Danach las Anne (annegretnill.wordpress.com) Gedichte. Den „Sonnengruß“ (ich trinke die Hitze deiner Strahlen), die „Schoßpreisung“ (Gebärmutter, Urschoß behütender), „Entgrenzung“ (Auflösung im Rhythmus des Universums), „Birkentanz“ (Haarzweige im Luftzug, Feenritt im wispelnden Galopp) und „Ave Mond“, ein älteres Werk von 1999, das sie wegen Trump wieder ausgegraben hat. In der Pause redeten wir darüber, ob es für Gedichte nicht besser wäre, nur eins zu lesen, davon ein paar gedruckte Exemplare im Publikum zu verteilen, um genauer diskutieren zu können.

Dann las der Wolfgang Weber über Chris, den jüngeren Bruder Franz Jarnachs, der letzte Woche gestorben ist. Feierabend für eine Schildkröte. Krokodillederimitatjacke, was für ein Wort. Sidekick Olli Ditsche Dietrichs („Halt die Klappe, ich hab Feierabend“). Es ging dann zum Vater der Beiden, den 1892 geborenen Komponisten Christoph Jarnach. Zeitgenössische Klassik – kann man wohl alles nachgoogeln. Es ging noch nach Guatemala, wo der Chris 2015 unter großer Teilnahme der guatemaltekischen Bevölkerung beigesetzt wurde.

Wolfgang stellte sich dann auch der großen Herausforderung und wird im März der Themenbeauftragte der 108. Lesebühne sein. Thema dann: „Zwischen den Stühlen“ – er hat gleich das erste genommen.[1]

Nach der Pause war die Andrea („andreamaluga.wordpress.com“) dran. Sie las zwei heitere Geschichten über den Handwerker Hannes. Sie leistete einen Beitrag zur Erhaltung der Berliner Schnauze. Ich glaube, sie liebt ihn (;-)), auch wenn sie ihn für einen Fall für den Frauenbeauftragten hält.

Und am Ende las die Petra Lohan „Pink“ – eine Geschichte über ein zufälliges Treffen an einem grauen Tag in der S-Bahn mit einem pinken geritzten Mädchen (ein Auge gelb, das andere pink), dem sie folgte (Gesammeltes Wissen über Mädchen, die sich schneiden – mir wird mütterlich) und mit dem sie eine Wand bemalte – graue schwarze Linien über die Wände. Es gab einen Wunsch nach grün – da oben muss mehr weiß. Malkampf – grelles Gelb durch rosa Flächen. Danke, dass sie mir geholfen haben, sagte das pinke Mädchen, was ich erstaunlich fand, denn an sich wurde ja der Mütterlichen geholfen (Es begann mit „Ich kann nicht sagen, worauf ich keine Lust habe, aber ich habe keine Lust.“) Und als die Mütterliche mit Kamera, Stativ und Licht anrückte, stand sie vor verschlossenen Türen.

Dem Publikum gefiel es. „Es ist für immer verloren, ich mag sowas.“

Auch die 108. Lesebühne wäre für immer verloren, würde sie nicht protokolliert und in Erinnerungsfetzen hier aufbewahrt im www, das nichts vergisst. Diesmal gibt es keine Fotos, weil der Fotograf krank war und ich mit meiner Spiegelreflex keinen Lärm machen wollte. Nächstes Mal wieder Euer

fgs-Signatur Stempel groß

[1] Sonstige Themen, die nicht ausgelost wurden und daran sieht man, dass die Bude voll war: Freitagabend, Septembermorgen, Sterben in allen Facetten, Tiger, Der ewige Bund, Respekt, endlich Frühling, Cocktailmarathon, Männerfreundschaft, Exotik, Genussmensch, In die Gänge kommen (wieder), im Kopf eines Tieres, ehrliche Begegnungen, Die Zeit vergeht, Geisterbahn, Umzug, Premium-account, Aufstehen und sechsundzwanzig Zeichen.

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2 Kommentare zu “die 106. Lesebühne „ausgebrochen“

  1. Pingback: Handwerker Hannes rockte die Lesebühne „SoNochNie“ | andreamaluga

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