Als Frank in den Moderator sprang …

… war die 105. Lesebühne vorbei, denn der Moderator verabschiedete nun die Zuschauer, Teilnehmer und Gastgeber bis zum nächsten Mal im Januar.

Damit willst du beginnen? Mit dem Schluss? Und du willst ein Schreiberling sein?
Hey, manchmal kommt das ganz gut, so als Ausblick zum Spannungsaufbau. Doch, echt. Geheimnis und so.

Begrüßt hatte der Moderator die Anwesenden kaum eineinhalb Stunden vorher, was eine für SoNochNie kurze Spanne darstellt, aber wohl mit dem besonderen Tag zu tun hatte, an dem wir uns hier zusammenfanden – dem 2. Weihnachtsfeiertag. Da war es nicht so voll wie sonst – vor und hinter dem Lesetisch (aber auch nicht leer – tatsächlich und im übertragenen Sinne).

Willst du weiter Honig anrühren oder von gestern erzählen?
Warte mal ab, okay?

Natürlich eröffnete der Themenbeauftragte dieses Monats den Leseabend, und der hieß diesmal Matthias Rische. Zu dem Publikumsthema „Nebel und Dunkelheit“ erzählte er von einem Zwölfjährigen und seinem älteren Bruder Ole, deren Oma vor Kurzem gestorben war. Der Junge, aus dessen Perspektive alles geschildert wurde, war von der Großmutter ferngehalten worden, nach ihrem ominösen Verkehrsunfall und über ihren Tod hinaus, sodass er (und wir) eigentlich nicht mal sicher war, ob sie noch lebte oder nicht. Darüber zu reden, schaffte wohl niemand in der Familie, und es braucht einen nächtlichen Ausflug der beiden Jungs auf den Friedhof, wo der Große den Kleinen unter Herbstlaub „begräbt“ und sich selbst ebenfalls, um  die Zungen zu lösen und von der traurigen Wahrheit zu sprechen, bis man sich dann auch ans Grab der geliebten Oma wagt. Das war einfühlsam erzählt, die Desorientierung des Jungen erfasste auch die Zuhörer, manche fanden den Erzähler für einen Zwölfjährigen zu wortgewandt. Ich nicht.

OMA – OMInös … Das hast du absichtlich gemacht, oder?
Nein. Wirklich nicht. Auf was du so achtest …

Maik Lippert stellte vier neue Gedichte vor, „in umgekehrt chronologischer Reihenfolge“, was sich aber niemand erklären lassen wollte. Jedenfalls begann er seine wie immer knappen und abgeklärten sprachlichen Scherenschnitte mit einer weihnachtszeitlichen Szene, die kaum kürzer und treffender hätte bezeichnet werden können (vermutlich drei Zeilen), kam dann zu einer Erinnerung an einen, der beruflich sich um die häufigen und häufig wechselnden Beflaggungen der sozialistisch – realen Existenz zu kümmern hatte und einen, dem seine eigene (häufige) Bierfahne vollauf genügte, danach beugte er sich über ein (metaphorisches, schwarzes) Loch, das alles Erreichte und vornehmlich Wertvolle zu planckschen Wellen zerreibt und endete auf der Frankfurter Allee, wo ein Gamer nicht von einem Pfarrer zu unterscheiden ist.

Ist das mit der Reihenfolge etwa so schwer zu kapieren?
Darum geht’s doch hier nicht.

Anita legte weitere Gedichte nach, und zwar zwei. Ebenfalls knapp, in der Anzahl und in der Sprache, was so weit ging, dass das zweite Gedicht fast nur noch aus isolierten Begriffen bestand, wo es im ersten noch Wendungen und sogar ganze Sätze gegeben hatte. Das erste befasste sich mit Bindungen – zwischen Menschen und zwischen Menschen und der Welt – oder dem Himmel, wofür sie ein eindrückliches Bild fand, das einer Marionette, deren Fäden in die Höhe reichen, bei der man aber nicht weiß, wer da wen steuert. Das zweite mochte man in all seiner Zersplitterung kaum einer Verbindung zweier Menschen zuordnen – doch darum ging es.

Das mit der Marionette hättest du gern selbst erfunden, stimmt’s?
Yep.

Es stand an: die Wahl zum Themenbeauftragten des Februar! Und tatsächlich erhob ein TB-Debütant seine Hand: Maik Lippert wird sich dem Thema stellen: Sein erstes Los aus den Publikumsvorschlägen („Der Zweite“) mochte er nicht haben und musste stattdessen „Februar grün“ nehmen. Wir sind schon jetzt gespannt.

Nun sprang Frank zum ersten Mal, nämlich von der Moderatorenaufgabe, die er in Ermangelung eines Leovinus‘ dankenswerterweise übernommen hatte, zu der, als letzter Vortragender des Abends aus seinem Romanprojekt zu lesen. Klaus, der Winzling, ist gefangen in einem gesicherten Kellerraum irgendwo auf dem Land an einem mysteriösen See und der Alte, dem der Keller gehört, ist sein Feind. Schlecht für Klaus, aber der Roman befindet sich hier noch im ersten Akt, also dürfte er, trotz des für ihn erschreckenden Verlaufs dieser Szene, überleben. Wir mussten auch springen, so einfach mitten in einen Roman hinein, was manche sehr forderte, weil man ja nicht so weiß, was vorher war und wer da so alles und so weiter, aber der Szene konnten wir folgen und erkennen: Klaus sitzt in der Scheiße. Und dann sprang Frank zurück in den Moderator!

OK, ich gebe zu, das kann man machen. Kein Wahnsinns-Hook mit dem Springen, aber akzeptabel.
Danke.

Wir sehen uns hoffentlich am Montag dem 23. Januar im Zimmer 16 zur 106. Offenen Lesebühne wieder. Die Tage werden wieder länger sein und der Themenbeauftragte wird Frank Georg Schlosser heißen. Sein Thema: „Ausgebrochen“. Dankeschön an Bernhard und Lutz vom Zimmer 16 für Ihre Unterstützung am Abend! A bientôt!

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