„So noch nie“, Liedtext von Ute Danielzick

Zum Jubiläum, der 99. Lesebühne SoNochNie, schrieb Ute Daniezick extra für uns ein Lied und trug es uns und dem Publikum ganz wunderbar vor. Wir sind gerührt, begeistert und danken aus ganzem Herzen.

So noch nie..

1.
Sie sitzt im Büro, wo außer
einem Zahlendreher gestern,
nichts die Stille unterbricht,
sie aufregt oder unterhält,

als plötzlich vor dem Fenster
etwas kracht und weiter hinten
etwas runter sackt, das schließlich
auf den Gehweg fällt.

Tief erschrocken überlegt sie,
was sie machen soll.
War das ´ne Pistole?
Sie beginnt ein Protokoll.

2.
Auf dem Heimweg wartet schon das
nächste Abenteuer auf sie:
Im Berufsverkehr, mit Drängeln,
in Berlin fährt man zu schnell.

Die Verfolgungsjagd bis in den
Feierabendstau macht hin- und
wieder ganz normale Auto-
fahrer richtig kriminell.

Sie durchzuckt es wie ein Blitz, dann
fasst sie einen Plan:
„Ich schreib meinen Alltag schlicht als
Kriminalroman.

Und sie schreibt, wie noch nie,
ja, so noch nie, ja, so noch nie.
Fragst du mich: „Wie schreibt sie?“
Sage ich: „So, wie noch nie, ja, so noch nie.“

3.
Er ist schüchtern und sensibel,
hegt die zartesten Gefühle,
doch die Ex sagt kühl: „Sei bitte
nicht so langweilig zu mir!“

Dann verlässt sie ihn für immer.
Ganze fünfzehn Wochen später
sitzt er noch am Küchentisch.
Ach, wie sehnt er sich nach ihr.

Aus Verzweiflung greift er zu Pa-
pier und Stift und schreibt
alles von der Seele, was ihn
bis zur Lyrik treibt.

Und er schreibt wie noch nie,
ja, so noch nie, ja, so noch nie.
Fragst Du mich: „Er schreibt wie?“
Sage ich: „So wie noch nie, ja, so noch nie!“

4.
Es ist wieder Montagabend,
schon der vierte diesen Monat,
als sie sich ein Herz fasst und
zur Off’ nen Lesebühne geht.

In der Florastraße 16,
bei der rotbunten Fassade,
dort, wo „Zimmer16“ über einer
off´ nen Türe steht.

Hier fühlt man sich eingeladen,
mal was zu riskier´ n,
eigne Texte vor dem Publi-
kum zu präsentier´ n.

Und sie liest wie noch nie,
ja, so noch nie, ja, so noch nie.
Fragst du mich: „Wie liest sie?“
Sage ich: „Ja, so noch nie, ja, so noch nie.“

5.
Jeder Abend hat ein Thema,
zu dem es paar Wochen später
einen Text zu hören gibt,
das Motto wurde ausgelost.

Gar nicht selten, das hier einer
ganze Bücher schreibt, zu denen
es vorab Kritiken gibt
oder großer Beifall tost.

Wer hier lauscht, ist Kritiker
und Publikum zugleich.
Das erhöht die Spannung, macht
den Abend bunt und reich.

Und man liest wie noch nie,
ja, so noch nie, ja, so noch nie.
Fragst du mich: „Das ist wie?“
Sage ich: „Ja, so noch nie, ja so noch nie.“

So noch nie, so noch nie.
Fragst Du: „Wie?“, dann sage ich: „So, wie noch nie.“
so noch nie, so noch nie
so noch nie, ja, so noch nie, ja, so noch nie.

Bridge:

Komm ins Zimmer16
zur Off´ nen Lesebühne.
Hier gibt es, ganz exklusiv
und für euch heute pur,

allerfeinsten Lesestoff
schöne neue Worte,
das monatliche Highlight
aus der hohen Sprachkultur.

so noch nie
so noch nie
so noch nie, ja, so noch nie, ja, so noch nie. 2 x

6.
Eine junge Kriminalro-
man-Autorin und ein Mann mit
Sinn für zarte Lyrik plauschen
noch ein wenig an der Bar.

Was für´ n wunderbarer Abend,
wie erfrischend all´ die Themen –
jedenfalls sie kommen wieder, weil es
hier so klasse war.

Dabei stellen beide fest, sie
sprechen Poesie.
Ganz egal sind Stil und Form,
eines wissen sie:

Das ist so, wie noch nie,
ja, so noch nie, ja, so noch nie.
Fragst du sie: „Das ist wie?“
Sagen sie: „Ja, wie noch nie, ja, so noch nie.

 

(C) Ute Danielzick

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