SNN 99 – Wir stellen vor: Michael Wäser

Vor dem großen, 99. Jubiläumsabend am 27. Juni stellen wir jeden Montag und Donnerstag eine/n der acht AutorInnen hier mit einem Fragebogen vor, den wir sie zu beantworten gezwungen haben.


Michael Wäser kam als Autor Nr. 4 zum SNN-Kern. Er wandert gern weite Strecken zwischen Stilen und Themen, eine gewisse Neigung zu abgründigen und schwarzhumorigen Texten kann man ihm jedoch sicher attestieren. Im früheren Leben Theaterschauspieler, ist er schon länger Autor im Hauptberuf und hat bisher zwei Romane veröffentlicht.

Werden wir mal persönlich: Aus welcher Gegend stammst du überhaupt und würdest du unseren Lesern einen Wochenendtrip dorthin empfehlen?

Ich bin im Saarland aufgewachsen, war aber so lange nicht mehr dort, dass ich höchstens empfehlen kann, mal nachzusehen, ob es überhaupt noch da ist. So kleine Sachen gehen ja leicht verloren …

Was hat dich ausgerechnet nach Berlin verschlagen?

Das Schreiben und familiäre Gründe. Anfangs habe ich u.a. mit Angela Bernhardt Drehbücher für TV und Film entwickelt.

Wie bist du zum Schreiben gekommen, also außer dem Schreibenlernen in der Grundschule natürlich?

In der Grundschule! Ich habe tatsächlich dort meine ersten Geschichten geschrieben und eigentlich seitdem nie mit dem Schreiben aufgehört.

Wie würdest du dich als Autorin/Autor charakterisieren?

Was für eine scheiß schwere Frage (und ich hab sie mir auch noch selbst ausgedacht) … Ich beziehe das jetzt mal auf meine Romane, weil alles andere sowieso oft noch viel experimenteller für mich ist: Für jedes Thema, das ich irgendwann wähle, um mich jahrelang damit zu beschäftigen, versuche ich eine adäquate Form und Sprache zu finden. Daher ähneln sich die bisher drei Werke – davon eines noch unveröffentlicht – kaum. Einerseits reizt es mich immer, Neues zu versuchen, andererseits käme es mir seltsam vor, eine Geschichte nicht auch formal so konsequent wie möglich zu vermitteln. Das macht die Sache auch für Leser überraschend.

Kannst du dich noch an deinen ersten SNN-Abend erinnern und wie du auf SNN aufmerksam geworden bist? Wenn ja: Gratuliere, du hast ein ausgezeichnetes Gedächtnis, denn das muss schon ein paar Jährchen her sein. Und jetzt: Bitte erzähl deine SNN-Geschichte.

Ich hatte 2011 gerade meinen ersten Roman „Familie Fisch macht Urlaub“ veröffentlicht, als Angela mich zur Lesebühne einlud. Den Gedanken, die vorgelesenen Texte zu diskutieren, fand ich gleich spannend, aber außer Angela kannte ich niemanden dort, also war das erste Mal ziemlich aufregend. Ich konnte eine oder zwei Kurzgeschichten vorweisen, die meisten meiner späteren Kurzwerke sind jedoch mehr oder weniger erst für die Lesebühne entstanden.

Was unsere Leser ganz besonders interessiert: Hast du Lampenfieber, wenn du hinterm Lesetisch Platz nimmst???!!?

Nein. Aber Adrenalin- und Endorphinwerte sind bestimmt etwas höher als normalerweise. Richtig verlernt habe ich bei SNN die bei vielen Künstlern verbreitete bipolare Störung, in solchen Situationen zu denken: „Ich bin ein Vollversager!“ oder eben „Wow, bin ich großartig!“ Das rückt extrem in den Hintergrund, wenn man immer wieder an den Diskussionen teilnimmt, diesem erstaunlichen Geben und Nehmen.

Das Zimmer 16 ist …

Einer der letzten verbliebenen Kulturorte in Pankow! Danke an alle dort! Ein echtes Gewächshaus für Kunst jeglicher Art – mit Ausnahme von Tanz vielleicht, dafür ist die Bühne einfach zu klein!

Nach dem Lesen wird bei uns über den Text diskutiert, manchmal ziemlich lebhaft. Ist dir dabei schon mal, innerlich oder äußerlich, der Kragen geplatzt – egal ob vor oder hinter dem Lesetisch? Warum, oder warum nicht? (Namen werden unkenntlich gemacht 😉 )

In „Per Anhalter durch die Galaxis“ gibt es diese Stelle über vogonische Lyrik und ihre verheerenden gesundheitlichen Folgen für die Zuhörer. Es gibt Situationen im Zimmer 16, die mich daran erinnern. Doch dazu, in der anschließenden Diskussion unfair oder ausfallend zu werden, habe ich mich bisher nicht hinreißen lassen. Der Werkstattcharakter steht da wirklich im Vordergrund, niemand erwartet unbedingt hochklassige, ausgereifte Texte. Um so erstaunlicher, wie viele es davon immer wieder bei SoNochNie zu hören gibt. Außerdem: Ob es Anderen bei meinen Texten nicht genauso geht wie bei einer Vogonen-Lesung – wer weiß.

Was wir unbedingt wissen wollen (Hosen runter!): Warum kommst du immer wieder zu SoNochNie?

Es ist wirklich immer spannend und lehrreich, egal ob ich selbst etwas vorlese oder nur zuhöre und mitdiskutiere. Ein kreativ- Generator erster Güte und ein Labor, in dem ich ebenso experimentieren wie Feedback für meine aktuelle Arbeit abgreifen kann. Ich verpasse selten eine Lesebühne.

Zum Abschluss: Gibt es auch außerhalb des Zimmer 16 etwas von dir zu lesen/hören? Was? Wo? Wann?

Meine Romane. Der DDR-Fluchtroman „Familie Fisch macht Urlaub“ ist hier und da noch gebraucht erhältlich, die Kriegsgroteske „Warum der stille Salvatore eine Rede hielt“ seit Herbst 2015 als eBook und Paperback im Buchhandel. Weiteres ist in Arbeit.


Vor Michael Wäser haben wir Angela Bernhardt, Clemens Franke, Heiko Heller, Petra Lohan und Frank Georg Schlosser vorgestellt, zum Abschluss folgt am 23. Juni Ulrike Warmuth.

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