SNN 99 – Wir stellen vor: Leovinus

Vor dem großen, 99. Jubiläumsabend am 27. Juni stellen wir jeden Montag und Donnerstag eine/n der acht AutorInnen hier mit einem Fragebogen vor, den wir sie zu beantworten gezwungen haben.


Leovinus ist einer der drei „Väter“ der Lesebühne und seitdem einer unserer Kernautoren und zuweilen auch Moderator. Seine höchst skurril-poetischen Schriften, Humoresken, Short Stories und Gedichte müssen mit seiner Affinität für vollkommen unbegreifbare IT-Systeme zu tun haben, anders können wir uns das nicht erklären …

Werden wir mal persönlich: Aus welcher Gegend stammst du überhaupt und würdest du unseren Lesern einen Wochenendtrip dorthin empfehlen?

Aufgewachsen bin ich in Berlin-Treptow. Das Mietshaus, in dessen Erdgeschoss wir lebten, stand direkt am Mauerstreifen, nicht sehr weit vom Übergang Sonnenallee entfernt. Wenn bei uns was aus dem Fenster fiel, mussten wir warten, bis ein freundlicher Grenzer sich zwischen Stacheldrahtzaun und Hauswand wagte. Zu Weihnachten hat mein Vater den Grenzern Zigarettenschachteln rausgeworfen, worauf die armen Kerle immer erstmal extrem misstrauisch zurücksprangen.
Einen Trip nach Berlin würde ich natürlich jederzeit und jedem empfehlen. Es soll ein paar freundliche Menschen dort geben, gutes Wetter sowieso und (Geheimtipp) in Pankow eine hervorragende Offene Lesebühne!

Was hat dich ausgerechnet nach Berlin verschlagen?

Ich denke mal, das war der allseits bekannte Prozess der Zeugung neuen Lebens. Mir ist jedenfalls nichts anderes bekannt

Wie bist du zum Schreiben gekommen, also außer dem Schreibenlernen in der Grundschule natürlich?

Ich hab mir schon immer Geschichten ausgedacht und war froh, als ich sie endlich aufschreiben konnte. Es gibt zwar immer wieder Jahre, in denen ich nicht schreibe, aber letzten Endes muss das irgendwo in meiner DNS liegen.

Wie würdest du dich als Autorin/Autor charakterisieren?

Früher hab ich chaotisch wild aufgeschrieben, was mir in den Sinn kam. Haarsträubendes Zeug, das man keinem Psychiater zeigen sollte. Inzwischen gehe ich strukturierter ran. Die Lesebühne hat mir dabei sehr geholfen!
Meine Geschichten bezeichne ich gern als „subtil-seltsam“. Sie spielen schon irgendwo in der realen Welt, müssen aber unbedingt einen leicht leovinus-mystisch-schrägen Drall enthalten. Wenn sie lustig sind, schadet das auch nicht. Sorry, ich kann’s nicht besser beschreiben.

Kannst du dich noch an deinen ersten SNN-Abend erinnern und wie du auf SNN aufmerksam geworden bist? Wenn ja: Gratuliere, du hast ein ausgezeichnetes Gedächtnis, denn das muss schon ein paar Jährchen her sein. Und jetzt: Bitte erzähl deine SNN-Geschichte.

Versuch 1: Ich weiß es noch wie heute: Wir wandelten selbdritt durch das nebelverhangene Müggeltal und sinnierten, wie wir die Welt durch Worte, noch wohlgeformter als unsere Körper, beglücken könnten. Und wären es nicht die Welt und nicht die Worte, so dann eben nur die weibliche Welt und halt doch nur die Körper.
Versuch 2: Okay: Ich lernte Stefan vor vierzehn Jahren kennen. Damals habe ich das erste Mal öffentlich gelesen – bei der Offenen Bühne im „Zimmer 16“. Die Idee zu einer Literatur-Werkstatt mäanderte in den Jahren immer wieder durch den Raum, bis Stefan mit dem Ableger „Studio 10“ die passende Lokation dafür aufgetan hat. So war der erste Abend der Offenen Lesebühne auch _mein erster Abend mit ihr. Stefan und ich saßen allein beieinander. Vielleicht war auch noch ein inzwischen verschollener Barmann dabei – ich weiß es nicht mehr. Es war gewiss ein schöner Abend voll melancholischer Hoffnung.
Der Leser möge entscheiden, welche Version ihm mehr behagt.

Was unsere Leser ganz besonders interessiert: Hast du Lampenfieber, wenn du hinterm Lesetisch platznimmst???!!?

Natürlich! Bei neuen, noch nie gelesenen Geschichten immer! Sie sind ein Abenteuer: Wer weiß schon, was das in meinem Hirn Entstandene in anderen Köpfen anrichtet!
Bei älteren Texten bin ich lockerer. Aber auch hier ist es immer spannend, ob sie bei einem neuen Publikum auch zünden.

Das Zimmer 16 ist …

… eine Muschel in Pankows Kulturlandschaft, in der immer wieder neue Perlen reifen. Für mich der Ort, wo ich immer wieder Gleichgesinnte treffe und – last but not least – zu gerne meinem Affen Zucker gebe.

Nach dem Lesen wird bei uns über den Text diskutiert, manchmal ziemlich lebhaft. Ist dir dabei schon mal, innerlich oder äußerlich, der Kragen geplatzt – egal ob vor oder hinter dem Lesetisch? Warum, oder warum nicht? (Namen werden unkenntlich gemacht 😉 )

Der Kragen geplatzt nur ein einziges Mal und das ist schon ewig her. Es gab mal einen K., der unüberzeugbar darauf bestand, Literatur müsse die Revolution voranbringen. (Ich fürchte, ich vereinfache das jetzt zu sehr.) Dieser Streit eskalierte ziemlich heftig und wurde auch laut, aber es gab keine Verletzten, soweit ich mich erinnere.
Vermutlich liegt es an unserer Ignoranz seiner Einstellung gegenüber, dass auch sechs Jahre nach Start der Offenen Lesebühne noch immer nicht das System gestürzt ist.
(Immerhin habe ich K. ein Gedicht gewidmet, das er leider nie gehört hat.)

Was wir unbedingt wissen wollen (Hosen runter!): Warum kommst du immer wieder zu SoNochNie?

Die Frage verstehe ich nicht.
Am vierten Montag ins Zimmer 16 zu kommen ist … äh … alternativlos.

Zum Abschluss: Gibt es auch außerhalb des Zimmer 16 etwas von dir zu lesen/hören? Was? Wo? Wann?

Nee. Jedenfalls nichts Öffentliches. Aber ihr könnt mich ja gern mal besuchen. Ich back auch Kuchen.
Und dann reiten wir durchs Müggeltal.


Vor Leovinus haben wir Angela Bernhardt, Clemens Franke und Heiko Heller vorgestellt, es folgt am 13. Juni Petra Lohan.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s