der 785. Lesende

Die 91. Lesebühne SoNochNie war kurz und knackig, wie man so schön sagt. Es gab (ferienbedingt – sag ich einfach mal) nur vier Lesende. Moderiert hat der Leovinus. _MG_1384-LeovinusUnd er erklärte den Abend kurzerhand zur 785. Lesebühne, was so nicht stimmt. Aber: Es könnte gut der 785. Lesende dabei gewesen sein. Was wahrscheinlich zu tief gegriffen ist, denn meist waren es deutlich mehr als vier Lesende.

Begonnen habe ich als Themenbeauftragter_MG_1383-Frank (Thema „Roboterin“), welchselbiger Begriff zwei sich ständig kabbelnden Herren Anlass war, über den künftigen Verlauf der Evolution zu philosophieren. Martin war so freundlich, sich an die Neue Frankfurter Schule erinnert zu fühlen, aber das wäre dann doch zu viel der Ehre.

Martin selbst ließ uns am Entstehen seines Romans teilhaben, der von Dorothea Wagentreter (oder war es Wadentreter) handeln soll und von 1898 (dem Tag ihrer Geburt) bis in die Gegenwart führen soll oder doch zumindest etwas, das unserer Gegenwart nicht mehr so ferne ist. Sie ward nach sechs Jahren aus der Bildung genommen und sollte November 1923 _MG_1389-Martinverheiratet werden, was aber nicht klappte, sie wollte ins Kloster und der Vater warf sie aus der Wohnung, nicht ohne ihr nobel eine kleine Bleibe zu finanzieren. In dieser Bleibe fand dieser kleine Ausschnitt seinen Höhepunkt in einer Szene, da Dorothea sich in den Arm schnitt, das Blut sah, Jod darüber goss und sich im Schmerz endlich spürte.

In der Pause ließ uns Martin ein wenig an den Anlässen für sein Schreiben teilhaben, was auch sehr interessant war.

_MG_1393-Namen vergessenDanach war Oliver dran, er las ein Gedicht über Orson Welles, das die meisten erst mal ratlos zurückließ, außer die, denen sich die innenwohnende Traurigkeit auch ohne den Bezug zum berühmten Künstler erschloss. Zu denen gehörte ich nicht. Am Anfang ein schöner Satz: Viele, die Deutsche spielten, waren tatsächlich Deutsche … ansonsten waren viele Versatzstücke aus Werken des Künstlers wiederzuerkennen, allerdings nur für die, die mit diesem Werk vertraut waren. Es ging in dem Gedicht um Kelche und Schwerter (u.a.), was an Tarot erinnerte und tatsächlich meinte der Künstler das auch so in dem Sinne: Kelche sind zu leeren und Schwerter sind zu spüren.

Trotz der nur paar Hanseln legte Leovinus eine Pause ein, in der das Bargeld an die Bar getragen werden sollte und Themen für den nächsten Themenbeauftragten aufgeschrieben wurden. Als Themenbeauftragter für den 28.12.2015 erklärte sich der Oliver bereit etwas zu schreiben, danke, Oliver, und das erste Thema, das er zog („Warteschleife“) verwarf er zugunsten eines Themas, das ihn ausrufen ließ: Kann ich das erste Thema wiederhaben? Aber da sind die Regeln unerbittlich. Wer das erste Thema verwirft, muss das zweite nehmen, das nun lautet: „Suchen & Finden – Nähe & Distanz“. Ich finde, das ist ein gutes Thema.

Danach las wieder mal der Clemens_MG_1400-Clemens, was uns alle sehr freute. Angefangene Gedanken, sagte er zu Beginn und dass er versucht habe, Geschichten zu schreiben, aber das nicht könne – und er bedauerte auch, dass die aktuelle Lage so wenig Widerhall in den Texten fände, was die Bardame gar nicht bedauerte, denn es wäre doch mal schön, auch was Anderes zu hören als immer nur dasselbe.

Jeder sieht was er sieht, was er nicht sieht, existiert nicht. Rosenthaler Platz, Fetzen aus den 20ern. Und dann der nudelessende Rikschafahrer T., mit dem der Ich-Erzähler eine Gruppe Afghanen das Bistro betreten sah, die jeweils ein halbes dampfendes Hähnchen (das unverfänglichste Fleisch der Welt – habe ich das richtig verstanden? Das kann nur religiös gemeint sein, denn was die Produktion dieser Broiler angeht, sind sie wohl kaum unverfänglich) verzehren.  Ich habe eine Ahnung, wo sie gesessen haben, ich bin öfter am Rosenthaler Platz, aber vom Text ist nicht mehr so viel da, obwohl er allen (auch mir) sehr gut gefallen hat. Das liegt vielleicht auch an dem schnellen, fast gehetzten Vorlesen.

So. Der Leovinus verwies noch auf die Lesung der Stammautoren der offenen Lesebühne am 17.12. um 19.30 Uhr in der Janusz-Korczak-Bibliothek. Vorher kommt noch die 92. offene Lesebühne am 23.11.2015. Bis dahin. Und herzlichen Dank an den Stefan, der die Fotos schoss.

Euer fgs-Signatur Stempel groß

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