Goldelse

(Auszug aus dem SNN-Beauftragtentext April von Michael Wäser)

Frühlingsgefühle und Pollenplage, das ist das Thema, aber was ist damit gemeint? Ein Dilemma, natürlich, möglicherweise, zumindest in der Assoziation machbar und sogar nahe liegend. Frühlingsgefühle: ganz klar, der erwachende Trieb, die aufkeimende Bereitschaft zur amourösen und/oder sexuellen Exposition, zur Brautschau, im Tierreich (mit eingegrenzterer Bedeutung, aber wer weiß das schon genau) zur Balz oder Brunft. OK. Pollenplage erfordert schon mehr Übertragungsleistung, erstmal wäre das eine natürliche Überproduktion von Blütenpollen, die sich auf die Umgebung negativ auswirkt, aber hier spielt wohl eher die Plage der Pollen an sich hinein, die Pollen, die manch einer nur als Plage empfinden kann, weil sie die Schleim- und anderen Häute geradezu explodieren lassen, Dilemma also: explodierende Triebe versus explodierende Schleimhäute, Rohrkrepierer quasi wegen Pollenverstopfung. Was mich zum speziellen Ansatz bringt: Kanonenrohr, heiliges! Eine ganze Stafette davon, gesammelt auf deutsch-dänischen, deutsch-österreichischen und deutsch-französischen Schlachtfeldern, von Feinden umringt, siegreich zum allerletzten Mal, hätte mein Vater bedauernd gesagt, der letzte davon 18siebzich einundsiebzich. Jetzt also golden angemalt und angepappt an eine Säule werweißwiehoch mitten im Tiergarten, Berlin. Selfie, tatsächlich und beim kurzzeitigen Absteigen vom Drahtesel getätigt: ich mit knallrotem Sturzhelm auf dem Schädel (wahnsinnig phallisch, unübersehbar, Junge!) und dahinter, darüber Else, Goldelse oben auf der Kanonenrohrsäule, na wenn das nich phallisch ist, Mann! Bitteschön, das hier wird keine Prosa, jedenfalls keine Fiktion, ich lass mich mal ein, nicht zu fiktionalisieren oder zu fantasieren, jedenfalls nicht wie sonst, das hier wird ein Selfie, bloß eben geschrieben und mit Kommentar geschickt an eine wahrhaftig Verblichene. OK. Warum nicht. Ausnahmsweise. Keine weinerliche Verarbeitungsprosa, ich schwör!, aber auch wenn die große Verarbeitung lange passé ist, ist Prosa, ja, ich weiß, doch auch immer Verarbeitung, klar, aber eine interessante doch wenigstens, schöne mitunter, eine anstößige, ein Anstoß für die anderen da, warum sollten die sich das sonst antun, z.B. […]

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s