Storch(en)schnabelgewächse

Die 80. Offene Lesebühne SoNochNie! wurde wegen eines Virus, den sich der Stefan eingefangen hat (was sind das für Zeiten, in denen der Mensch mit einem (!) Virus nicht mehr fertig wird), von Norbert,DSCF8146der sich für die Dauer des Abends in Leovinus verwandelte, moderiert. Und das allerdings ist klar geworden. Sobald diese Verwandlung stattgefunden hat, scheint es, als sei dieser Leovinus zum Moderator bestimmt und man fragt sich, wie es all diese Pflaumen (mit Vornamen Kai) soweit bringen konnten.
Themenbeauftragte des Monats November war die wunderbare Petra Lohan zum Thema Storchschnabel-DSCF8092gewächse. Da sie dieses Thema einst selbst in den Lostopf warf, konnten wir von einem Wunschthema ausgehen. Geranien, lernten wir, sind Storchschnabelgewächse, aber die waren nur eine falsche Fährte. Es ging um die strukturierte Einsamkeit einer Frau, die doch noch die Sehnsucht kennt. Aber der Mann, der ihr Rufen erhörte, brachte nicht sich, sondern gleich das Ergebnis. Ein Storch(en)schnabelgewächs eben. 😉 Ist das die Zukunft? Kinder ohne den Spaß davor beim Machen? Lasst uns altmodisch bleiben, kann ich dazu nur sagen.
Danach war der Michael aus Treptow dran. DSCF8097Er ist drauf und dran ein Stammlesender zu werden, was uns alle sehr freut. Es ging um den guten Vorsatz zum neuen Jahr, ein guter Mensch zu werden. Und wie er scheitert, weil all seine liebevolle Zuwendung als verkappte Aggression interpretiert wird. Wir hatten noch viele schöne Ideen, wie die Geschichte einem apokalyptischeren Ende zutreiben kann. Notiert habe ich mir die Wendung „erfolglos abgebrochen“. Fand ich witzig. Glaube, es hätte erfolgreich abgebrochen heißen müssen. 😊
Dann las unsere AngelaDSCF8116 eine Etüde zum Thema „eins werden“. Interessant fand ich die Art, wie sie auf die Geschichte von der Verschmelzung des Meisters mit seinem Instrument kam, eine Erinnerung an die berühmte Legende von Maupassant, wie er einen Bindfaden von der Erde hob und verkündete, auch darüber könne er eine Geschichte schreiben. Angela sah vor ihrem inneren Auge den Lack eines Flügels zerschmelzen und in dicken Tropfen nach unten fallen bis das nackte Holz zum Vorschein kam. Mit solchen Vorstellungen wird sie niemals einen Sponsorenvertrag von Bösendorfer bekommen. 😉 Die Geschichte entwickelte ihren Sog aus der Forderung des Lehrers an die Schüler, mit dem Instrument zu verschmelzen (und seiner Verzweiflung dass sie es nicht tun) und den dramatischen Folgen des eigenen Verschmelzens. Was kann man daraus lernen? Grenzen setzen. Ich bin ich und du (Klavier) bist du. Es handelt sich nur um eine Metapher.
Anschließend habe ichDSCF8135 gelesen. Eine Erforschung der Hauptfigur meines im Werden befindlichen Romans. Die Geschichte handelte von Tante Barbara. Sie bot zu erfreulich angeregten Diskussionen Anlass. Und wieder mal hat mich so dieses Kleinod einer Lesebühne beseelt und glücklich und animiert in die Nacht entlassen.
Dann war Pause und alle diskutierten und schrieben ihre Themenvorschläge auf die von Michael (Danke, lieber Micha, an dieser Stelle dafür) zur Verfügung gestellten Zettelchen mit dem Logo unserer Bühne und der Aufschrift „mein Themenvorschlag für JANUAR“. Und nach der Pause ging es mit RegineDSCF8162 weiter. Regine las die zweite erotische Phantasie des Abends mit dem Titel „Quo Vadisss“ und die vielen „s“ kommen daher, dass die Protagonistin eine Fliege war. Regine mag vermenschlichte Hasen und Schweine und sonstiges Getier in Geschichten an sich nicht leiden und deshalb (vielleicht als Persiflage oder als ironische Überspitzung) wählte sie eine Fliege, die sich ausgerechnet in die Frau verliebte, der sie auf die Nerven ging. Meine favorites waren: „Ach hätte sie sich beim Mittagessen erschlagen lassen.“ Oder wie die Fliege “Ich liebe Dich” auf den Lampenschirm (in fliegisch?) gesch … hat; oder als sie auf dem duftenden Dreieck landete um von den Schweißtropfen zu naschen, die das Objekt der Begierde ausschwitzte und gerne zu einer Mücke mutiert wäre (aus der Sicht einer Fliege sicher eine Steigerung ;-). Das Ende war traurig. Mit dem Satz “Irgendwie erinnerst du mich an meinen alten Lateinlehrer.” erschlug die Frau im Suff (3. Flasche Wein!!!) die Fliege.
Wenig tröstlich.
Den Abend beschloss der Jörn.DSCF8185Er war sehr müde und las trotzdem aus dem Anfang seines Romans über Bogomir, einen 1945 in einem tschechischen Knast geborenen und dort auch aufgewachsenen Jungen, der nicht so recht weiß, wer oder was er ist und dies auf drastische Weise (jedenfalls in dem gelesenen Ausschnitt) herauszubekommen versucht.
Die Diskussion drehte sich um die Frage nach dem Verhältnis von Handlung und Reflektion. Mir ist eine Wendung geblieben, von der ich nicht sicher bin, ob sie so gelesen wurde oder mir aus dem Gelesenen entstanden ist: “Schuppen unter der Haut” – Danke, Jörn.
Zum Abschluss wurde noch der Themenbeauftragte für den Januar 2015 gewählt – Norbert (Leovinus) und ich (FGS) waren im Lostopf und ich habe gewonnen. Nachdem ich den ersten Themenvorschlag “Geruchsbelästigungen” abgewiesen hatte, weil dazu Uli Stein alles gesagt hat (Haben Sie gepupst? – Natürlich, oder glauben Sie, ich rieche immer so?), musste ich “Weihnachten/Heilig Abend” nehmen. Nun ja. Was gibt es Schöneres als sich Ende Januar vor dem nächsten Weihnachtsfest zu gruseln.
In diesem Sinne – Euer frankgeorgschlosser.

 

PS: Die wunderbaren Fotos hat der Michael Wäser geschossen. Danke, Micha.

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