Das war die 70. !

Traumfänger

Ganze zwei Lesende konnten die Besucher der siebzigsten Offenen Lesebühne am 27.Januar bewundern. Den Anfang machte traditionell der Themenbeauftragte. In diesem Falle war dies Frank Georg Schlosser, welcher uns zwei Texte zum Thema „Eisregen“ zur Auswahl stellte. Wir entschieden uns zunächst für jenen ohne Happy End.
Also servierte Frank den klaustrophobesken Albtraum eines Abends im Swinger-Club, präsentiert von einem bemüht-heiteren Conferencier namens Luigi. Leider nimmt der geschilderte Abend zunehmend beängstigende Züge an, da sich die Gäste in einer stillgelegten Aldi-Filiale zunächst als Gefangene widriger Witterungserscheinungen, ihrer Triebe und schließlich der puren Schwerkraft einer eisbeladenen Dachkonstruktion wiederfinden. Ein Text, sich bewegend zwischen Stephen King und Michel Houellebecq, und dem Thema vollauf gerecht werdend.
Von einer Gefangennahme historischer Art berichtete uns Michael Wäser. Seine Reportage zeigte einen besonderen Moment im Leben nicht nur von Michael-Reiner Ernst. Dem Fotografen gelang es, am 13.August 1961 jene glücklichen Menschen abzubilden, die die letzte Gunst der Stunde nutzten, durch die noch unfertige Mauer in den Westen zu flüchten. Michael Wäser hingegen konnte uns nicht nur jenen Moment plastisch vor Augen führen, sondern auch einen Menschen nahe bringen, der auch in den Jahren zwischen Mauerbau und –fall vor allem den westlichen Teil Berlins fotografisch dokumentierte. Ich sage: Vielen Dank! Wieder was gelernt.
Um dem Abend noch einen dritten Programmpunkt zu gönnen, durfte Frank gern ein weiteres Mal auf dem roten Stuhl Platz nehmen, der diesmal nicht von ihm umgeworfen wurde. Frank hatte seine Pflicht als Themenbeauftragter übererfüllt und las uns eine weitere „Eisregen“-Geschichte vor. Diese sogar mit Happy End, was vom anwesenden Publikum wohlwollend honoriert wurde.
Zum Abschluss wurde diesmal der Themenbeauftragte erstmals nicht per Losverfahren ermittelt, da ich mich freiwillig meldete. Das mir zugeloste erste Thema „Wer hat Fedde“ lehnte ich verwirrt ab und darf nun dem „Traumfänger“ eine Geschichte widmen. Allerdings ist nicht ganz auszuschließen, dass auch die etwas rätselhafte Frage Eingang in diesen oder einen weiteren Text findet.
Außerdem fand sich der folgende Strauß bunter Ideen auf den Loszetteln aus dem Publikum: Zwei mal gefragt, Kapitulation, Gedanklichkeit, Krokus, Selbstkritik, Transparenz, der falsche Augenblick, Anlauf, Vier nicht, Alles wird gut, Ostkreuz.
Aber für den 24.Februar heißt es dann – etwas verspätet – „Valentinstag“. Wir sind gespannt, was Michael Wäser daraus macht – einen wortgewandten Werbespot für die Blumenindustrie?

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