Abschied Kissenschlacht


Das war ganz und gar kein gewöhnlicher Lesebühnenabend, wenn es denn so etwas überhaupt gibt, was der Autor, kaum geschrieben, schon verneint. Trotzdem, wir wussten: Dies wird ein Abschied, einer, den wir lieber nicht begehen würden, auch wenn es kein Abschied ohne Wiedersehen ist. Kaum zwei Jahre zuvor hatte eine junge Frau erstmals am Lesetisch im Zimmer 16 Platz genommen und bereits mit ihren ersten, so poetischen und musikalischen Sätzen, mit ihrem unvergleichlichen Vortrag und ihrer Liebe zur Sprache mutmaßlich alle Anwesenden in ihren Bann gezogen. Wenig später gehörte sie zum Kern von SoNochNie, wozu wir sie eingeladen hatten und wofür wir ihr sehr, sehr dankbar sind. Ulrike Warmuth hat uns und das Publikum seither beschenkt, herausgefordert, entzückt, verstört und immer bereichert, und wir – und sie – hofften, dass das ganz lange so bleiben könnte. Doch will das Brot auch verdient werden, und die Universität Chemnitz war so weise und egoistisch, die Linguistin zu rufen, die dummen Berliner Unis blieben stumm. So wird dieser Abend voraussichtlich auf längere Zeit der letzte gewesen sein, an dem wir alle, wir – Ulrike, Angela, Frank, Norbert und Michael – zusammen mit den anderen geschätzten Autorinnen und Autoren und den interessierten ZuhörerInnen, ihrer Poesie und ihrer Stimme im Zimmer 16 lauschen konnten. Da die vergangenen knapp zwei Jahre uns alle mehr und mehr verbunden haben, stand uns und auch unserem Gastgeber Stefan also ein sehr emotionaler Abend bevor.

Den Anfang machte traditionsgemäß DER THEMENBEAUFTRAGTE. Leovinus verband seine Rückschau auf ein vom SNN-Kern gemeinsam verbrachtes Ostsee-Wochenende mit einer Meditation über das ihm aufgetragene Thema KISSENSCHLACHT, was gewagt, aber, wie sich zeigte, nicht unmöglich war. Außerdem war es lustig und erinnerte an Loriot. Klasse!

Angela präsentierte eine noch meditativere Meditation, die an den Bürgerpark denken ließ, an gedankenverlorene Spaziergänge zwischen Springbrunnen und Vogelvolieren. Eine zarte Aquarellskizze aus Worten.

Heiko stellte sein „Stiefkind“ vor – eine Geschichte über einen menschenfreundlichen und bildungsbewussten Bücherwurm vor, also das Tier, das sich durch Papier frisst.  Die charmante Idee hatte aber leider nicht die ganze DNA abbekommen, die Heikos Humoresken sonst meistens haben, und war daher nicht so lustig wie seine legitimen Kinder. Aber warum soll man so einen Bengel nicht auch mal draußen spielen lassen.

Michael ließ das Publikum wieder einen kleinen Ausschnitt aus seinem aktuellen Romanprojekt hören, ein Brief zwischen zwei Liebenden, Kämpfenden, Spielenden im 19. Jahrhundert. Ein Ausschnitt eben, zu verstehen gab es wohl für diejenigen, die schon mehr davon kannten, am meisten. Trotzdem durfte er sich über positive Anmerkungen freuen.

Ulrike suchte nun zwischen den aufschießenden Emotionen ihren Weg, uns ihren sehr persönlichen, sehr poetischen Rückblick auf die bisherige Zeit mit SNN zu schenken und löste damit kaum weniger heftige Emotionen aus. Manches mögen die „fremden“ Zuhörer nicht nachvollzogen haben, aber dieser Vortrag galt, ausnahmsweise, hauptsächlich ihren Freunden von SNN, uns. Danke, von Herzen, danke, liebe Ulrike, und ebenso von Herzen alles Gute in Chemnitz! Wir freuen und auf das nächste Mal, wenn du wieder an diesem Tisch sitzt, wann auch immer das sein wird.

Frank musste auf den aufgewühlten Wassern weiterschippern mit seinem Text, und er hielt das Steuer doch fest in den Händen. Sein neuester Teil des „so klein mit Hut“-Projekts stimmte im Ton und seinem schrägen Untergrund, der entweder in den Abgrund oder in eine neue Welt führen muss.

So blieb noch, Angela Bernhardt, der bereits feststehenden Themenbeauftragten des November, ihr Thema zu verpassen: Aus den Publikumsvorschlägen zog sie „Fangzahn“. Na dann schaun wir mal …

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