Wie dunkel im Keller …


Dass man  mit dem vom Publikum vorgeschlagenen  Thema „Keller“ nicht unbedingt eine leichte, komödiantische Geschichte verbindet, liegt auf der Hand. Aber was die die April-Themenbeauftragte Ulrike Warmuth am gestrigen Montagabend dann präsentierte, verschlug in seiner ungerührt-präzisen Bodenlosigkeit dann doch einigen Zuhörern die Sprache. War es eine erwartete Fehlgeburt, eine geplante Spät-Abtreibung oder gar Neugeborenenmord, den sie da in einem von Kohlenstaub eingeschwärzten Familienkeller bis zum bitteren Ende sich zutragen ließ – die Zuhörer wollten lieber nicht zu genau wissen, was die Autorin ihnen bei all den erschreckenden Geschehnissen, die sie sich zu schildern getraut hatte, dann doch verschwieg. Gleichzeitig einfühlsam UND gnadenlos schreiben, das können nicht viele. Ein beklemmender, aber definitiv gelungener Auftakt des Lesebühnenabends.

Frank Georg Schlosser stieg anschließend ein paar Stiegen höher in die Psyche eines unzufriedenen Psychologen, der an seiner eigenwilligen Partnerin, an seinem Beruf, an einem maulfaulen Patienten und wohl an allem sonst keine rechte Freude mehr findet – eine Geschichte im Entstehungsprozess, der von den Kommentaren der Zuhörer vielleicht Impulse bekommen hat. Wir sind gespannt, demnächst die fertige Story hören zu dürfen.

Tue Apr 23 09-46-24Ein klaustrophobischer Bankangestellter mit noch einigen weiteren Macken wird unvermittelt zum gejagten Detektiv – dieser Plot reizte Angela Bernhardt zu einer turbulenten Krimi-Komödie, die irgendwo zwischen James Bond und dem Rosaroten Panther angesiedelt war. Auch sprachlich fühlte man sich nicht selten an die „gute alte Zeit“ erinnert, als Bösewichte noch Bösewichte waren und schnelle Autos selten mehr als 85 PS unter der Haube hatten. Danke für die Überraschung!

Schwärzer wurde es wieder beim letzten Beitrag, aber schwarz war diesmal nicht die Kohle, sondern der Humor. Eine „korrigierende“ (und sehr teure) Racheaktion könnte man nennen, was der Erzähler in Heikos Geschichte an einem, natürlich frei erfundenen, Schnulzensänger namens Roland Kaiser verübte, und zwar schlicht und einfach aus Entrüstung darüber, dass besagter Sänger immer noch singt und nicht längst ob der jammervollen Qualität seiner Werke und seines Gesundheitszustandes verstummt ist. Zu böse? Satire darf alles.

Zum krönenden Abschluss wurde der Juni-Themenbeauftragten Angela Bernhardt das Losglück hold: Aus den Zuschauervorschlägen fiel ihr das oben bereits abgebildete Thema zu – wir warten ungeduldig auf ihre Juni-Geschichte und danken allen ZuschauerInnen und KollegInnen für ihr Erscheinen.

Bleibt noch die dringende Empfehlung: Kommen Sie am 27. Mai zu SoNochNie, wenn Frank Georg Schlosser als Beauftragter zum Thema „Ein Sommernachtstraum“ liest!

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